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Warum stranden Wale?

Warum stranden Wale?
Warum stranden Wale? – Bild: © westrayart #3836574 – stock.adobe.com

Im März 2026 sorgte der Buckelwal Timmy für Schlagzeilen, als er im Hafen von Wismar gesichtet wurde. Trotz einer spektakulären Rettungsaktion wurde er Mite Mai 2026 tot im flachen Wasser vor der dänischen Insel Anholt gefunden. Immer wieder stranden Wale.
Manchmal kommt es auch zu Massenstrandungen, bei denen mehrere Tiere gleichzeitig stranden. Das Stranden der Meeressäuger kann verschiedene Ursachen haben.

Die Situation richtig einordnen

Das Stranden von Walen ist ein uraltes Phänomen in der Natur. In jedem Jahr werden weltweit mehr als 2.000 Strandungen registriert. Sowohl kranke und geschwächte als auch völlig gesund erscheinende Tiere können stranden. Ebenso können bereits verendete Tiere an Land gespült werden.

Mitunter kommt es zu regionalen Häufungen von Strandungen. Innerhalb eines begrenzten Zeitraums werden in einer Region ungewöhnlich viele Tiere an Land gespült. Mitunter stranden die Wale erneut, wenn sie bereits gerettet wurden.

Die Ursachen für die Strandungen sind noch nicht vollständig erforscht. Natürliche Ursachen kommen ebenso infrage wie menschliche Einflüsse.

Um die Ursachen einzugrenzen, kommt es darauf an, die Situation genauer einzuordnen.

Werden die Meeressäuger leblos angespült, haben sie mitunter durch menschliche Aktivitäten ihr Leben verloren. Sie können von einem Schiff gerammt oder in einem Fischereinetz gefangen worden sein.
Lebende Tiere, die gestrandet sind, können krank sein oder ihre Orientierung verloren haben. Intensives Unterwasserlärm wie militärisches Sonar, steht in Verbindung mit bestimmten Massenstrandungen, insbesondere von Schnabelwalen

Stranden von Walen ist ein uraltes Naturphänomen
Das Stranden von Walen ist ein uraltes Phänomen in der Natur – Bild: © littleny #24352905 – stock.adobe.com

Das Phänomen der Massenstrandungen

Wenn mindestens zwei Wale, ausgenommen von einem Muttertier mit einem Kalb, stranden, handelt es sich um eine Massenstrandung. Zu einem bestimmten Zeitpunkt stranden mehrere Tiere in derselben Gegen. In Extremfällen kann es sich um Gruppen mit hunderten von Tieren handeln.

Von den Massenstrandungen sind am häufigsten Zahnwale als hochsoziale Arten betroffen. Hin und wieder werden auch Massenstrandungen von Bartenwalen verzeichnet. Das ausgeprägte Sozialverhalten dieser Arten wird als Hauptursache angenommen. Ist eines der Tiere krank, verletzt oder orientierungslos, gelangen auch gesunde Tiere mit dem geschwächten Tier ins flache Wasser und stranden. Das liegt daran, dass die Gruppe geschlossen bleibt. Auch Bartenwale sind hin und wieder von Massenstrandungen betroffen.

Selbst nach einem Rettungsversuch, wenn die Tiere wieder erfolgreich ins tiefere Wasser zurückgeleitet wurden, kann es passieren, dass die Wale erneut an die Küste zurückkehren.

Sie nehmen die Rufe eines zurückgelassenen Mitglieds aus der Gruppe wahr.

Phänomen der Massenstrandungen
Wenn mindestens zwei Wale, ausgenommen von einem Muttertier mit einem Kalb, stranden, handelt es sich um eine Massenstrandung – Bild: © Kiwi Anne #254809120 – stock.adobe.com

Überlebenschancen von gestrandeten Walen

Für den Wal beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, wenn er gestrandet ist. Sein hohes Körpergewicht, das im Wasser durch den Auftrieb getragen wird, lastet nun auf seinen Organen. Die Blutzirkulation ist eingeschränkt, was die Anreicherung von Stoffwechselgiften begünstigt. Die dicke Fettschicht führt ohne kühlendes Wasser schnell zur Überhitzung.

Die gestrandeten Wale können zwar noch atmen, doch durch die Flut kann in das Blasloch eindringendes Wasser zum Tode führen.

Unsachgemäße Rettungsversuche können für die Tiere schwerwiegende Folgen haben.

Rettungsaktionen durch fachkundiges Personal können die Überlebenschancen verbessern. Es ist daher wichtig, beim Auffinden gestrandeter Wale eine Meeresschutzorganisation oder die zuständige Behörde zu informieren.

Für viele Wale ist die Strandung tödlich. Damit eine Rettungsaktion erfolgreich ist, muss ein Tier stabil genug sein. Rettungsteams müssen im Sinne des Tierwohls entscheiden, ob eine Aktion sinnvoll ist.

Regionen mit häufigen Massenstrandungen

Bestimmte Gezeitenverhältnisse können dazu führen, dass sich das Wasser innerhalb kurzer Zeit mehrere Kilometer zurückzieht. Bewegen sich die Tiere in einer solchen Phase nah an die Küste, können sie stranden.

Auch spezielle Küstenformationen werden häufig zu einer tödlichen Falle für die Wale. Evolutionär bedingt ist die Echoortung der Wale auf tiefere Gewässer ausgelegt. In sanft abfallenden und flachen Küstenzonen ist diese Echoortung oft eingeschränkt.

Die Strandung von mehr als 130 Kleinen Schwertwalen im Jahr 1927 im schottischen Dornoch Firth wird in Großbritannien als die größte dokumentierte Massenstrandung angesehen. In Neuseeland stranden jährlich etwa 300 Wale und Delfine im Durchschnitt; im Jahr 2017 liefen an der Farewell Spit Landzunge mehr als 400 Grindwale gleichzeitig auf Grund. In Westaustralien kommt es aufgrund der sehr flachen Strände ebenfalls häufig zu Massenstrandungen. Auch werden wiederholte Massenstrandungen im chilenischen Patagonien und in Cape Cod, USA, festgehalten.

Spezielle Küstenformationen tödliche Fallen für Wale
Auch spezielle Küstenformationen werden häufig zu einer tödlichen Falle für die Wale – Bild: © Danita Delimont #1241678104 – stock.adobe.com

Natürliche Ursachen für Strandungen

Strandungen von Walen können auch verschiedene natürliche Ursachen haben. Auch Extremwetterlagen sind Teil davon, da Sturmwellen und heftige Gezeitenänderungen die Tiere näher an die Küste bringen können, wo sie im flachen Wasser stranden. Auch das Echoortungssystem der Tiere kann dadurch beeinträchtigt werden und die Wale in gefährliche Gewässer führen.

Das Jagdverhalten kann die Wale ins flache Wasser führen. Grindwale verfolgen bei Cape Cod in den USA im Herbst und im frühen Winter Tintenfische bis in flache Küstengewässer.

Das Jagdverhalten wird auch bei anderen Walarten als Ursache für Strandungen angenommen. Delfine sind die Beutetiere von Orcas und fliehen vor ihnen in seichtes Wasser. Ebenso können Orcas bei ihrer Jagd auf Rochen in flache Gewässer gelangen.

Sind Wale krank oder geschwächt, können sie leicht von der Strömung erfasst werden und ins flache Wasser gelangen. Eine Krankheit kann auch zu Problemen bei der Orientierung oder Navigation führen. Nach einer Hypothese können Störungen des Erdmagnetfelds, wie sie durch Sonnenstürme verursacht werden, Wale in die Irre führen, da sie dieses möglicherweise zur Orientierung verwenden. So stellten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen zwei Sonnenstürmen und der Strandung von 29 Pottwalen an der Nordsee zu Beginn des Jahres 2016 her. Dagegen ergab eine Langzeitauswertung von Strandungsdaten aus Großbritannien und Irland keinen Zusammenhang mit geomagnetischer Aktivität. Auch Unterwasservulkane oder Erdbeben können die Orientierung der Wale stören. Dadurch geraten die Tiere in Panik.

Auch giftige Algenblüten können Wale töten: Im Golfo de Penas im Süden Chiles starben 2015 über 340 Seiwale, vermutlich aufgrund von Algentoxinen.

Lärm als Ursache

Die akustische Belastung der Meere kann zu einer Gefahr für die Wale werden. Militärisches Sonar, aber auch seismische Erkundungen für die Suche von Rohstoffen können die Orientierungs- und Kommunikationsfähigkeit der Wale beeinträchtigen.

Wale können durch Schallimpulse in Panik geraten oder betäubt werden. Schnabelwale und andere tief tauchende Arten reagieren auf Lärm besonders sensibel. Das ist sogar bei weit entfernten Schallquellen möglich.

Das empfindliche Gehör der Wale kann durch intensive Geräusche erheblich geschädigt werden.

Pathologen entdeckten bei Schnabelwalen, die nach Sonar-Einsätzen gestrandet waren, Gasblasen im Gewebe, ähnlich der Taucherkrankheit – wahrscheinlich, weil die Tiere ihr Tauchverhalten abrupt ändern.

Wale mit eingeschränktem Hörvermögen können den Druck, der beim Tauchen entsteht, nicht mehr ausgleichen. Die Nahrungssuche wird dadurch erschwert. Die Tiere hungern und können ihren Flüssigkeitsbedarf nicht mehr durch die Nahrung decken. Sie dehydrieren und werden mit der Strömung an die Küste getrieben.

Menschliche Einflüsse als Ursache

Der Mensch kann durch Kollisionen mit Schiffen, Umweltverschmutzung und Fischerei das Stranden von Walen begünstigen. Es kann zu Verletzungen bei den Walen kommen. Die Tiere können sich auch in Fischereinetzen verfangen und dann ersticken. Die Überfischung der Meere führt dazu, dass vielen Walarten ihre Nahrungsgrundlage genommen wird.

Die chemische Verschmutzung der Meere kann zu langfristigen gesundheitlichen Schäden bei den Meeressäugern beitragen. Ebenso kann Plastikmüll, von den Walen als winzige Kunststoffpartikel aufgenommen, sich im Körper der Tiere ansammeln. Vergiftungen und innere Verletzungen können die Folgen sein.