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Energetisch Bauen und Sanieren - Nachrichten und aktuelle Entwicklungen
Aktualisiert: vor 52 Minuten 42 Sekunden

Kleine Holzöfen sollen sauberer werden

2. November 2017 - 7:00

Vier wissenschaftliche Einrichtungen und vier Unternehmen aus Deutschland, Österreich, Schweden und Dänemark haben im Projekt zusammengearbeitet. Dabei hat sich gezeigt, dass eine stärkere Automatisierung der bislang rein manuell bedienten Öfen der Schlüssel für weniger Emissionen und mehr Effizienz ist. Unterstützung erhielten die Institute und Unternehmen jeweils von ihren nationalen Förderern. So bekamen deutsche Spezialist für Abgastechnik Kutzner + Weber und das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) Mittel vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus dem Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe.

Kleine Holzfeuerungen wie Pellet-Wohnraumöfen oder mit Scheitholz beheizte Kaminöfen im Leistungsbereich bis 20 kW sind aktuell und in näherer Zukunft die am weitesten verbreitete erneuerbare Wärmequelle in Europa, so die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Nahezu 1,85 Millionen dieser Öfen würden jedes Jahr verkauft und bescherten den Herstellern einen Umsatz von etwa 2,6 Milliarden Euro. Doch es mehrt sich auch die Kritik an zu hohen Emissionen und mangelnder Effizienz. So beschränkt sich bei den manuell bedienten Kaminöfen die Beeinflussung der Verbrennung - von der Brennstoffauswahl abgesehen - auf das Öffnen und Schließen von Lüftungsklappen. Verantwortlich dafür ist der Nutzer. Erfahrungsgemäß kommt es an dieser Stelle zu vielen Bedienungsfehlern, die die Emissionen häufig stark erhöhen.

Regelung der Luftzufuhr wird automatisiert

Stillstandsverluste durch geöffnete Luftzufuhr nach dem Heizen können erhebliche Wärmeverluste aus dem Aufstellraum bewirken. Schließt der Betreiber die Luftzufuhr während des Heizbetriebs hingegen zu früh, sind hohe Emissionen eine mögliche Folge. Das zeigen die Arbeiten am TFZ. Zusammen mit dem Partner Kutzner + Weber haben die Forscher im Rahmen des Projekts "Wood Stoves 2020" eine Lösung dieses Problems entwickelt: Selbstschließende Klappen im Zuluftkanal können den Partnern zufolge jährlich bis zu einem halben Kubikmeter Holz sparen.

Noch wirksamer sei es, wenn solche Luftklappen gleich auch die eigentliche Luftsteuerung übernehmen. Der Ofen-Hersteller RIKA und das Ingenieurbüro BIOS aus Österreich entwickelten deshalb im Projekt eine vollautomatische Steuerung der Luftzufuhr, basierend auf einem Temperatursensor und elektronisch verstellbaren Luftverteilungsklappen. Im Ergebnis ließen sich damit vor allem gasförmige Schadstoffemissionen deutlich verringern und die Effizienz um 2 Prozentpunkte steigern.

Neuartiger PCM-Wärmespeicher ermöglicht hohe Effizienz

Eine noch sehr viel größere Effizienzsteigerung gelang RIKA und BIOS mit Hilfe eines neu entwickelten Wärmespeichers. Sie setzten dazu auf sogenannte Phasenwechselmaterialien, auch "phase change material" oder PCM genannt. PCM speichern mit der Änderung ihres Aggregatzustandes, zum Beispiel von fest zu flüssig, große Mengen Wärmenergie und geben diese zeitverzögert wieder ab. Ihre Anwendung im Bereich der Einzelraumfeuerungen ist neu. RIKA und BIOS konnten im Projekt erfolgreich den Prototypen eines Low-Emission-Kaminofens mit integriertem PCM-Speicher bauen, dessen Herstellung 2018 in Serie gehen soll. Sein Wirkungsgrad liegt bei über 90 Prozent, während gute Anlagen derzeit im Schnitt nur 82 Prozent erreichen.

Weniger erfolgreich waren die Versuche der drei Forschungspartner TFZ, BIOS und RISE, Hochtemperaturkatalysatoren direkt in der Haupt- oder der Nachbrennkammer zu installieren. Im Ergebnis konnten zwar die Aggregate in der Hauptbrennkammer mit den katalytisch aktiven Metallen Platin und Palladium CO (Kohlenmonooxid) um bis zu 73 Prozent und organischen, gasförmigen Kohlenstoff um bis zu 38 Prozent reduzieren. Doch ihre Wirksamkeit ließ im Laufe der 100-stündigen Testphase teilweise deutlich nach. In einem Winter ist ein häufig genutzter Kaminofen jedoch mehrere 100 Stunden und länger in Betrieb. Für eine umfassende Bewertung der Katalysatoren wären zusätzliche Tests über eine gesamte Heizperiode erforderlich.

Die schwedische Forschungseinrichtung RISE und der Ofenhersteller NIBE untersuchten zusammen mit BIOS die Eignung verschiedener Abgas-Sensoren zur Kontrolle des Verbrennungsprozesses. Im Ergebnis waren Lambda-Sonden, CO-Sensoren und kombinierte O2/CO-Sensoren grundsätzlich gut für diese Aufgabe geeignet, die beiden letzteren sind aber für einen breiteren Einsatz bei kleinen Öfen derzeit oft noch zu teuer.

Nachrüstsystem amortisiert sich nach sechs Jahren

Die vom BMEL geförderten Partner TFZ und Kutzner + Weber testeten außerdem verschiedene auf dem Markt erhältliche, elektronisch gesteuerte (halbautomatische) Zuluftsteuerungen und rein mechanische Zugbegrenzer, die am Ofen bzw. am Schornstein eingebaut werden und auch nachrüstbar sind. Im Ergebnis zeigten die automatisierten Systeme bei der Emissionsminderung Vorteile, ausgenommen lediglich die Minderung von Partikelemissionen. Auch die Effizienz der Öfen ließ sich mit ihnen steigern. Die Projektpartner errechneten, dass sich die Anschaffung des kostengünstigsten, für rund 276 Euro erhältlichen Systems nach etwa sechs Jahren durch die Brennstoffeinsparung amortisieren könnte. Voraussetzung dafür sei jedoch eine Anpassung der Luftklappe: Aktuell verschließt sie das Abgasrohr zu maximal 92 Prozent, erforderlich wäre aber ein 100-prozentiger Verschluss. Quelle: FNR / sth

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Marktentwicklung bei Brennstoffzellen-KWK im Plan

1. November 2017 - 9:00

Das KfW-Programm 433 "Zuschuss Brennstoffzelle" fördert den Einbau der Technologie abhängig von der Gerätegröße mit 7.000 bis 28.000 Euro. Der Zuschuss setzt sich aus einem Festbetrag in Höhe von 5.700 Euro sowie einem leistungsabhängigen Betrag zusammen. Für große Brennstoffzellen mit einer Leistung von fünf Kilowatt sind Zuschüsse von bis zu 28.200 Euro möglich. "Die zur Verfügung stehenden Mittel werden abgerufen, die Brennstoffzelle kommt im Markt an. Das Förderprogramm wirkt", berichtet Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas.

Nicht alle Hersteller teilen die Euphorie. Vaillant beispielsweise erklärte im März dieses Jahres, alle Aktivitäten im Bereich Brennstoffzellen-Heizung würden bis auf weiteres eingefroren. Andree Groos, verantwortlicher Geschäftsführer für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Service erklärte auf der Branchenmesse ISH: "Wir sehen momentan nicht, dass die Technologie wirtschaftlich einsetzbar ist." Auch Bosch Thermotechnik zeigte sich auf dem Branchenevent in Frankfurt nicht übermäßig begeistert von der Technologie. Aufgrund des technischen Konzepts seien die Kosten hoch, der Markt ein Nischenmarkt, den Bosch aber weiterhin bedienen wolle, hieß es. Viessmann dagegen kündigte den Ausbau seiner Modellpalette an.

Zukunft Erdgas sieht eine goldene Zukunft für gasbetriebene Brennstoffzellen-Heizungen. Ab dem Jahr 2023 sollen jährlich rund 75.000 Geräte verbaut werden. Das entspräche einem Marktanteil von rund zehn Prozent. Kehler: "Der Anfang ist gemacht, wir sind mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden". Quelle: Zukunft Erdgas / sth

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FLiB legt Arbeitshilfe für Energieberater vor

1. November 2017 - 8:00

Sowohl die KfW-Bank als auch der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) des Bundeswirtschaftsministeriums schreiben dem Energieberater im Rahmen seines Sanierungskonzepts Vorgaben zur Luftdichtheitsplanung ins Pflichtenheft. Zu diesem frühen Zeitpunkt im Projekt liegen allerdings zahlreiche Informationen, die für eine detaillierte Planung nötig wären, noch gar nicht vor, berichtet der FLiB. Es ließen sich aber der Verlauf der luftdichten Ebene und dafür geeignete Materialien bestimmen. Auch seien voraussichtlich kritische Übergänge zwischen Bauteilen bereits erkennbar, die im weiteren Verlauf eine Detailplanung verlangen. Diese Angaben fasst der Energieberater in seinem Grobkonzept der Luftdichtheitsplanung zusammen und legt sie für die spätere Detail- und Ausführungsplanung verbindlich fest. Für sie ist dann der Fachplaner verantwortlich.

Um diese Abfolge und Arbeitsteilung besser abzubilden, hat der FLiB seinen bereits 2015 herausgegebenen "Leitfaden Luftdichtheitskonzept" ebenfalls in die Stufen "Grobkonzept" und "Detailplanung" unterteilt und widmet Ersterem eine eigene, zusätzliche Broschüre. Deren Umfang und Terminologie wurden mit der KfW-Förderbank abgestimmt und entsprechen im Wesentlichen auch dem, was das iSFP-Handbuch für Energieberater vorsieht: eine Bestandsaufnahme, die Festlegung, wo die luftdichte Ebene verlaufen soll, und das Sicherstellen, dass dichte Anschlüsse zwischen Bauteilen grundsätzlich möglich sind.

Einen weiteren Fokus legt der Fachverband auf das Ausbilden luftdichter Durchdringungen. Anders als die iSFP-Software, die das Thema Luftdichtheit auf die verschiedenen Bau- bzw. Sanierungsabschnitte verteilt, verfolgt der FLiB einen ganzheitliche Ansatz. "Leider existiert kein eigenes Gewerk 'Luftdichtheit'", sinniert FLiB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Oliver Solcher. "Weil wir aber alles, was zur Luftdichtheit dazugehört – und nur das –, in einem Dokument zusammenfassen, wird das Herstellen einer dichten Gebäudehülle als übergeordnete und gewerkeübergreifende Schnittstellenaufgabe sichtbar." Dadurch ließen sich Bauherren und Handwerker besser für die Thematik sensibilisieren. Ebenso helfe die Konzentration auf einen einzelnen Aspekt dem Energieberater beim Ausarbeiten eigener Grobkonzepte zur Gebäude-Luftdichtheit.

Die Broschüre "Luftdichtheitskonzept Teil 1: Grobkonzept" steht zum kostenlosen Download auf dem Infoportal des Fachverbands unter www.luftdicht.info bereit. Dort kann man auch die darin enthaltenen Prinzipskizzen einzeln herunterladen, um sie in eigene Konzepte einzubinden. Quelle: FLiB / sth

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Fenster sind für Monteure kaum noch zu tragen

31. Oktober 2017 - 12:59

Die Glasbemessungsnorm DIN 18008 wird gerade überarbeitet. Und es sieht ganz danach aus, dass im Laufe des kommenden Jahres eine neue Fassung gültig wird, die für zugängliche Brüstungen Sicherheitsglas vorschreibt. "Das bedeutet schon wieder eine Scheibe mehr", sagte Institutsleiter Ulrich Sieberath bei der Tagung "Holzfenster in Denkmalschutz und Sanierung", ausgerichtet in Berlin vom Institut für Fenstertechnik (ift Rosenheim).

Eine Scheibe mehr – wieder einmal. Zwecks besserer Wärmedämmung waren im 19. Jahrhundert aus einer Glasscheibe zwei geworden; heute sind es oft sogar drei. Schallschutz und Einbruchsicherung trieben außerdem die Glasdicke nach oben, und der Rahmen wächst sozusagen jeweils mit. "Es wird immer dicker. Die Holzprofile werden immer mehr an Masse", sagte Manuel Demel, Projektingenieur im Labor Bauphysik des ift, und verglich die Entwicklung mit der im Automobilbau: "Ein bisschen mehr Hubraum, ein bisschen mehr Drehmoment – aber das ist eigentlich nicht das, wo wir hinwollen." Bei drei Scheiben wiegt allein die Verglasung eines handelsüblichen Wärmedämmfensters in der Standardgröße rund 64 kg, wenn die Scheibendicke zum Schutz gegen Einbruch erhöht sein soll.

Architekten halten die empfohlene Maßbegrenzung nicht ein

Zahl und Dicke der Scheiben ist das eine, die Vorliebe vieler Architekten und Bauherren für große Glasflächen das andere. Institutsleiter Sieberath erinnerte an klassische Maßempfehlungen, denen gemäß man bei einer Begrenzung auf etwa 1 Meter Breite und 2,20 Meter Höhe lande: "Da kommt man noch einigermaßen zurecht. Unser Problem ist ja nur, dass der Architekt permanent drübergehen will." Sieberath versuchte, die Zuhörer mit dem Extrembeispiel eines Hebe-Schiebe-Fensters für ein Einfamilienhaus zu erheitern. Es war so schwer, dass die Frau des Käufers körperlich nicht in der Lage war, es zu bewegen. "Das Ding hatte 8 Meter Breite und 4 Meter Höhe."

Den Zuhörern in Berlin aber, zumindest den vielen Fensterbauern unter ihnen, machen im Alltag eher die üblich gewordenen 180 bis 200 Kilogramm schweren Fensterflügel zu schaffen, die man auch zu viert kaum noch schleppen und in den Blendrahmen wuchten kann. Und nach ein paar Jahren gibt es womöglich Ärger mit überlasteten Beschlägen und Verankerungen. Der Verdruss darüber mag den heftigen Widerspruch erklären, der auf eine Aussage von Karin Lieb vom Geschäftsbereich Prüfung des ift zur nach wie vor nicht existierenden Produktion von leichter Vakuumverglasung in Europa folgte. Lieb hatte auf Nachfrage aus dem Publikum unter anderem gesagt: "Momentan ist keine Nachfrage da, und dann stellt es auch keiner her, sieht auch keiner die Notwendigkeit der Investition."

Fensterbauer: Die Branche wartet auf Vakuumverglasung

"Sie sagen, die Nachfrage wäre nicht da. Die Nachfrage ist riesig; die Branche wartet auf Vakuumverglasung", entgegnete Jan Sehlmann, Geschäftsführer von Sehlmann Fensterbau bei Hamburg. "Was wir mit unseren Monteuren zurzeit anstellen, ist eine absolute Katastrophe. Da spricht hier kein Mensch drüber. Es wird ja geradezu totgeschwiegen. Auf den Fenstertagen dieses Jahr: nicht ein Wort zu Vakuumglas!" Odette Moarcas, Prüfstellenleiterin Brand und Baustoffe im ift und Tagungsleiterin, stimmte zu, dass es hier Handlungsbedarf gäbe, sprach aber von einem "Nischenbereich". Damit provozierte sie gleich den nächsten Widerspruch aus dem Publikum: "Bei uns, wir sind auch Hersteller, sind 50 Prozent aller Scheiben großformatig und so schwer wie mein Vorredner gerade gesagt hat. Wir finden keine Montagebetriebe mehr."

Das bestätigte später im Pausengespräch auch Eduard Appelhans, der im Sauerland den Fensterbaubetrieb Sorpetaler führt und zugleich im Vorstand des Bundesverbands Proholzfenster sitzt: "Die Montage ist die Hölle. Sie finden heute kaum noch Monteure, die das machen. Und wenn, sind sie sehr schnell krank und kaputt."

Die Vakuumverglasung ist eine von drei Möglichkeiten, mit weniger Glasgewicht eine ausreichende Wärmedämmung zu erreichen. Durch zwei Scheiben, aus deren Zwischenraum die Luft weitgehend entfernt ist, dringt sogar weniger Wärme als durch drei Scheiben mit Krypton dazwischen. Es gibt mehrere Produzenten in China, neuerdings auch einen in Russland sowie den japanischen Hersteller Pilkington/NSG, der eine spezielle Dreischeiben-Vakuumverglasung für denkmalgeschützte Gebäude auch nach Europa liefert.

Zuverlässige Qualität ist bei Vakuumglas kein Problem mehr

Lange war eine genügende Qualität bezweifelt worden – namentlich, dass die Importware das Vakuum über die Lebensdauer hinweg ausreichend halten würde. Karin Lieb sagte jedoch dazu, die Messungen am ift hätten nicht nur im Neuzustand, sondern auch nach einer gewissen Alterung durchaus Uw-Werte von 0,4 oder 0,5 W/m²K bestätigt. Ulrich Sieberath sieht denn auch das Problem nicht mehr im zuverlässigen Langzeitverhalten, sondern in den Auswirkungen der grundsätzlich anderen Verarbeitungsnotwendigkeit.

Herkömmliches Fensterglas könne bei Isolierglasherstellern nach den gewünschten Maßen geschnitten und verklebt werden; dagegen komme Vakuumglas in Fertigmaßen in Europa an und müsse so verbaut werden, meist in kleingliedrigen Stückzahlen. Dass wiederum die Stückzahlen hierzulande jeweils so klein sind, erklärte Eduard Appelhans mit einem großen Bestand von Fenstern, fast alle unterschiedlich groß. Anders als in China geht es in Europa meist nicht um massenhaften Neubau mit wenigen Einheitsformaten. "Vorkonzeptionierte Glasgrößen würden eine Normfensterproduktion erfordern." Die sei bei uns Anfang der 70er Jahre ausgestorben – zu Recht, denn Standard für historisch vielfältige Gebäude "macht die Fassaden tot; das will hier keiner haben."

Für das Stückzahl-und-Format-Argument spricht der Sonderfall Dachfenster, wo ein großer Hersteller Vakuumglas bereits heute in erheblichem Umfang einbaut. Sieberath: "Die sind durch die Sparrenbreite in Standardmaßen ausgelegt." So könne man große Mengen viel leichter zukaufen, auch im Ausland.

Produktion vor Ort oder in China

Nach Appelhans' Einschätzung werden sich Vakuumgläser zumindest in Deutschland nur dann durchsetzen, "wenn wir Produktionen vor Ort haben". Zumal auch schon heute der Fensterbauer darauf angewiesen sei, dass die Transportwege nicht allzu weit seien. Sonst seien die Logistik nicht hinzubekommen und die vom Markt geforderten Preise nicht zu realisieren. In diesem Punkt ist der ift-Chef optimistischer. Auch in China oder sonstwo könnte man, so sieht er das, auf Bestellung maßgeschneidert vorfertigen. "Es ist wie immer: Wenn man eine neue Technologie hat und die Stückzahlen noch nicht da sind, ist das noch sehr teuer."

Das gelte auch für die beiden anderen Möglichkeiten, das Gewicht zu verringern: Konstruktionen, die durch Kunststoff-Folien in den Mittelschichten getrennt sind und ähnlich gute Eigenschaften haben wie Vakuumglas; und die Dünnglastechnologie mit gehärteten dünnen Scheiben. Das mit den Stückzahlen werde sich in der nächsten Zeit verändern, die Preise würden sinken – "aber vielleicht nicht so schnell, wie die Fensterbauer sich das wünschen." Ein weiteres, nach mehrheitlicher Ansicht der Experten allerdings weniger bedeutendes Problem betrifft speziell die Vakuumverglasung. Laut Karin Lieb ist die ISO-Norm dafür bisher nur im Entwurf vorhanden. Damit sei Vakuumglas in Deutschland ein sogenanntes "ungeregeltes Bauprodukt" und eine behördliche Zustimmung im Einzelfall nötig. Diese sei jedoch nach Aussage des Herstellers Pilkington "unkritisch zu kriegen". Von Alexander Morhart

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Forschungsprojekt optimiert Erdwärmebohrungen

31. Oktober 2017 - 7:00

Rund 30 Prozent der Neubauten in Deutschland werden derzeit mit Geothermie-Anlagen ausgestattet, berichten die Wissenschaftler des Fachgebietes Geotechnik und Geothermie der Hochschule OWL. Das sei ein erster Erfolg, könne aber noch deutlich mehr sein. Einen Hinderungsgrund sehen die Forscher darin, dass die behördlichen Auflagen für die Genehmigung solcher Anlagen in den vergangenen Jahren immer strenger geworden sind. Stichwort sei vor allem der Grundwasserschutz. Gemeinsam mit Kollegen der TU Darmstadt hat das Team von der Hochschule OWL daher ein Verbundprojekt gestartet. Titel:  "Entwicklung von Verfahren zur Optimierung der Hinterfüll- und Sondenmaterialien für die oberflächennahe Geothermie − Optimog".

Hohe Anforderungen an die Baustoffe

Bei der oberflächennahen Geothermie werden Bohrungen bis zu einer Tiefe von 400 Metern in die Erde abgeteuft. In diese werden Sonden eingeführt. Dieses Rohrsystem aus Kunststoff bringt mit Hilfe von Wasser und einer Wärmepumpe die Wärme aus dem Erdreich an die Oberfläche. Dem Wasser ist häufig Frostschutzmittel beigemischt, um Betriebstemperaturen unterhalb des Gefrierpunktes zu ermöglichen. Der Ringraum der Bohrlöcher rund um die Sonden wird anschließend wieder verfüllt - mit einem Baustoff aus Zement und weiteren Zutaten, der in flüssiger Form eingefüllt wird. Wenn er ausgehärtet ist, dichtet er das Bohrloch ab, damit beispielsweise auch bei einem Leck der Rohre kein Frostschutzmittel ins Grundwasser gelangt. Dieser abdichtende Baustoff muss eine Menge aushalten: Er steht stellenweise dauerhaft im Wasser, ist Temperaturschwankungen ausgesetzt bis hin zum Frost, denn wenn dem Erdreich stetig Wärme entzogen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Boden friert. Trotzdem muss der Baustoff langzeitbeständig sein, da er nach dem Aufbau einer Geothermie-Anlage nicht mehr ausgetauscht werden kann.

Verwendete Materialien sind nicht frostbeständig

Untersuchungen der Geothermie-Forscher aus Höxter haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die bisher verwendeten Baustoffe diesen Herausforderungen nicht alle ausreichend gewachsen sind: "Ich habe schon verschiedene Baustoffe, die bereits für die Nutzung zugelassen waren, untersucht und festgestellt, dass diese nicht frostbeständig sind. Sie bekamen Risse oder wurden porös", sagt Fachgebietsleiter Professor Lutz Müller. Um nicht nur die Baustoffe, sondern das gesamte System aus Bohrung, Sonde und Baustoff untersuchen zu können, ist in Höxter im Rahmen einer Promotion ein Prüfstand entstanden. Dieser wird nun innerhalb des neuen Forschungsprojektes weiterentwickelt.

An diesem Versuchsstand soll künftig auch die Wärmeleitfähigkeit der Baustoff-Proben untersucht werden – im bisherigen Aufbau lässt sich vor allem die Wasserdurchlässigkeit testen. Zusätzlich denken die Wissenschaftler jetzt in größeren Dimensionen. Dabei wird ein so genannter Technikumsversuchsstand entstehen, der die Realität abbildet und das System Bohrung, Sonde, Baustoff um die Komponente des Bodens erweitert. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt für drei Jahre mit insgesamt etwa 800.000 Euro. Quelle: Hochschule OWL / sth

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PV-Anlagenbetreiber können Solarstrom zukaufen

30. Oktober 2017 - 11:17

Damit liegt der Preis für den grünen Strom im ersten Jahr in vielen Regionen unter dem für konventionellen Strom. Ab dem zweiten Jahr kommen jedoch die Mitgliedsgebühren hinzu. Laut sonnen GmbH kostet die Mitgliedschaft dann 9,99 Euro/Monat. Allerdings enthält der neue Stromtarif kostenlose Smart Meter und sonnen übernimmt die Kosten für den Messstellenbetrieb. Damit kämen PV-Anlagenbesitzer einem neuen Gesetz zuvor, so der Anbieter. Darin sei festgelegt, dass Messstellenbetreiber seit Januar 2017 ein intelligentes Messsystem bei PV-Anlagen ab 7 kWp einbauen können. Dafür dürfen sie bis zu 100 Euro Gebühren im Jahr verlangen. Da die von sonnen zur Verfügung gestellten Smart Meter einen Bestandsschutz von acht Jahren haben, könnten PV-Anlagenbesitzer bis zu 800 Euro zusätzlich sparen.

"Unsere sonnenCommunity wächst sehr schnell und wir wollen sie weiter ausbauen. Mit sonnenStrom solar können jetzt auch Menschen von den wirtschaftlichen Vorteilen der sonnenCommunity profitieren, die bereits saubere Energie erzeugen aber noch keinen Stromspeicher haben", sagt Philipp Schröder, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei sonnen. Der neue Stromtarif sei aber auch für Besitzer kleinerer PV-Anlagen interessant. Ab 2018 können gesetzlich auch kleinere Anlagen mit Smart Metern ausgestattet werden, die jährliche Gebühr darf hier 60 Euro betragen. Quelle: sonnen / sth

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Fenster: Merkblatt gibt Tipps zu Verformungen

30. Oktober 2017 - 10:39

Spezifische Normen und Regelwerke betrachten hinsichtlich der Verformungen von Fenstern und Türen meist Standardfälle und nicht alle kritischen Situationen, berichtet der VFF. Das Merkblatt TBV.01 "Thermisch- und feuchtebedingte Verformungen im Fenster-, Türen- und Fassadenbau" beschreibt die physikalischen Grundlagen und die thermischen Verformungstypen und erläutert anschließend, wie thermisch- und feuchtebedingte Verformungen von Bauteilen mit Blick auf verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigt oder reduziert werden können.

Dazu nennt das Merkblatt "Handlungsempfehlungen für verformungsgefährdete Konstruktionen" sowie eine detaillierte Anleitung zur "Berücksichtigung von Verformungen bei der Planung". Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Rosenheimer ift – Institut für Fenstertechnik, dem Verband Tischler Schreiner Deutschland, Berlin, und dem  UBF Unabhängige Berater für Fassadentechnik erstellt. Das VFF-Merkblatt ist als Leseprobe unter www.window.de im VFF-Bereich "Normung und Technik" unter "Merkblätter und Mitgliederinfos" in Auszügen einzusehen. Die Schutzgebühr für das gesamte Merkblatt beträgt 19,- Euro für Nicht-VFF-Mitglieder. Quelle: VFF / sth

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Balkonmodule stehen vor dem Durchbruch

29. Oktober 2017 - 7:00

Die Neuregelung der Norm VDE 0100-551 mache die Nutzung von Mini-Solaranlagen nun "erheblich einfacher". Auch der VDE freut sich, dass der Veröffentlichung der Nationalen Vornorm zu den auch "Balkon-PV" oder "Plug-In-PV" genannten Mini-Solaranlagen nun nichts mehr im Wege steht.

"Das ist ein längst überfälliger Durchbruch für die Solarenergie in deutschen Städten", sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy. "Die Einigung macht den Weg frei für die massenhafte Nutzung solcher kleinen PV-Anlagen, die Mieter von nun an problemlos auf ihrem Balkon anschließen und damit eigenen Solarstrom ernten können."

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), Bernhard Weyres-Borchert, freut sich, dass die überarbeitete Norm "endlich zeitgemäßer" ausfällt. Steckbare Solarmodule mit modernen Wechselrichtern erfüllten seit Jahren sämtliche Sicherheitsstandards. "Jetzt fehlt noch eine eigene Produktnorm für solche laienbedienbaren Geräte. Daran arbeiten wir gerade." Mit einer Veröffentlichung der entsprechenden Norm wird Anfang 2019 gerechnet.

Die DGS und Greenpeace Energy, aber auch renommierte Forschungsinstitute wie das Fraunhofer ISE, hatten die Sicherheit moderner Mini-Solaranlagen wiederholt durch Gutachten belegt und so die Arbeit an den Normen angeregt. Die Energiegenossenschaft klagt zudem am Landgericht Hamburg gegen den Netzbetreiber Stromnetz Hamburg, weil dieser ihr die Nutzung eines modernen steckbaren Solarmoduls untersagt. "Das Ergebnis des jetzt abgeschlossenen Normverfahrens bedeutet: Netzbetreiber müssen nun zügig unkomplizierte Anmeldeverfahren etablieren und ihre Blockade beenden. Das gilt auch für Stromnetz Hamburg", fordert Vorstand Tangermann.

Norm für Stecker steht noch aus

Es blieben aber noch Fragen zur Nutzung von Balkon-PV-Geräten, räumt Greenpeace Energy ein. So müsse geklärt werden, ob solche Module künftig spezielle Einspeisesteckdosen benötigen oder einfach per Schutzkontakt-Stecker (Schuko-Stecker) ans häusliche Stromnetz angeschlossen werden können. Nach Angaben des VDE arbeiten die Experten im Verband an der Veröffentlichung eines Standards zu einer speziellen Energiesteckvorrichtung für die Einspeisung in einem separaten Stromkreis, der kurz vor der Fertigstellung steht.

"Wenn ein Solargerät unseren DGS-Sicherheitsstandard erfüllt, reicht eine Schuko-Steckdose völlig aus", sagt Weyres-Borchert von der DGS. Photovoltaikmodule mit modernen Wechselrichtern böten denselben Schutz vor Stromschlag oder ähnlichen Gefahren wie andere Haushaltsgeräte.

Dezentrale Energiewende für jedermann

Die DGS hat mit dem DGS SolarRebell ein eigenes Projekt für die dezentrale Energiewende für jedermann gestartet. Bei Deutschlands größtem Solarverband gibt es mit dem DGS SolarRebell eine kostengünstige Kleinst-PV-Anlage zur direkten Einspeisung in das Hausnetz vom Photovoltaik-Anbieter MiniJOULE. Greenpeace Energy bietet das Solarmodul "Simon" an.  Quelle: Greenpeace Energy / DGS / sue

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Neues Sonnenhauskonzept erprobt

27. Oktober 2017 - 7:00

Das neue Konzept ist nach Berechnungen des Projektpartners Helma Eigenheimbau bis zu 35 Prozent günstiger als bisherige Sonnenhäuser, weil sowohl die Betriebs- als auch die Investitionskosten des neuen Gebäudekonzepts geringer ausfallen. Die vollständige Wärmeversorgung des Gebäudes kommt mit weniger als acht Kilowattstunden Strom pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche aus.

Das ISFH, An-Institut der Leibniz Universität Hannover, arbeitet seit Ende 2011 zusammen mit den Firmen Helma Eigenheimbau in Lehrte und Resol Elektronische Regelungen in Hattingen an der Entwicklung eines neuen, kosteneffizienten Konzepts für Sonnenhäuser. Sonnenhäuser sind Gebäude mit hohem Dämmstandard, deren Wärmeversorgung zu mehr als 50 Prozent mit Sonnenwärme erfolgt.

Das neue Konzept besteht aus einer Kombination von einem kleinem Wärmespeicher mit nur einem Kubikmeter Wasser und direkt solarthermisch betriebener Bauteilaktivierung der Gebäudemassen. Bisherige Konzepte verwenden einen großen, zentralen Pufferspeicher mit mehreren Kubikmetern Wasser. Diese Systeme haben jedoch nicht nur einen großen Platzbedarf, sie verursachen auch hohe Kosten und können das Haus im Sommer leicht überhitzen. Der kleinere Wärmespeicher im neuen Sonnenhauskonzept hat geringere Kosten und sorgt für einen Komfortgewinn in der warmen Jahreszeit (weniger Aufheizung des Gebäudes). Statt eines üblicherweise eingesetzten Holzofens kommt eine Wärmepumpe mit kleiner Erdwärmequelle als Nachheizung für sonnenarme Tage zum Einsatz.

Durch die synergetische Verbindung von Erdwärmequelle und Solarkollektoren kann die sommerliche Kollektorstagnation (Überhitzung) nicht nur vermieden werden, sondern die Wärmepumpe arbeitet auch effizienter. Die Erdwärmequelle wird durch Überschusswärme der Solarkollektoren regeneriert und kann dadurch um drei Viertel der konventionellen Größe kleiner dimensioniert werden. Damit ist das Konzept auch für Häuser mit kleineren Gärten anwendbar. Trotz kleiner Erdwärmequelle ist der verbleibende Stromverbrauch gering. Der Energiebedarf von acht Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m²/a) für die Wärmeversorgung des Gebäudes liegt deutlich unter dem Passivhausstandard von 15 kWh/m²/a im Jahr.

Während eines zweitägigen Workshops haben die Wissenschaftler Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu diesem Thema präsentiert, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie seit Ende 2015 gefördert wurde und nun endete. Quelle: ISFH / sue

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IBC Solar ist Mitglied im Global Compact

27. Oktober 2017 - 7:00

Mit dem Engagement im UNGC verpflichtet sich IBC Solar, transparent über ihre Aktivitäten zu berichten und die Vision einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Weltwirtschaft zum Nutzen aller Menschen zu verfolgen. Der UNGC ist eine Nachhaltigkeitsinitiative der Vereinten Nationen. Im Mittelpunkt stehen zehn Prinzipien für die Bereiche Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsprävention. Mit der Mitgliedschaft in der Initiative bekennt sich IBC Solar öffentlich zu diesen Prinzipien und wirkt aktiv auf deren Umsetzung hin.

Dazu Udo Möhrstedt, Gründer und Vorstandsvorsitzender von IBC Solar: "Drei der zehn Prinzipien des UNGC fallen in den Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Hier sind wir als Solarunternehmen bereits auf dem richtigen Weg, indem wir die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien und grüner Geschäftsmodelle fördern. Mit unserem Engagement im UNGC verpflichten wir uns moralisch noch mehr dazu, im gesamten Wertschöpfungsprozess unserer Produkte positiven Einfluss auf die Umwelt zu nehmen."

IBC Solar ist bereits seit 2012 nach DIN EN ISO 9001 für Qualitätsmanagement, DIN EN ISO 14001 für Umweltmanagement und BS OHSAS 18001 für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zertifiziert. In diesem Zusammenhang setzt das Unternehmen Maßnahmen zum Umwelt- und Arbeitsschutz um und fordert diese Standards auch von seinen Lieferanten. Mit dem Beitritt zum UNGC wird IBC Solar vor allem sein hauseigenes Klimamanagement weiter intensivieren und seinen CO2-Ausstoß in den kommenden Jahren maßgeblich reduzieren.

Als Unternehmen im UNGC ist IBC Solar verpflichtet, den Fortschritt bei der Umsetzung der zehn Prinzipien und die eigenen Aktivitäten zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zu berichten. Diese jährliche Communication on Progress (COP) richtet sich an Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten und ist öffentlich auf der Webseite des UNGC einsehbar.

"Während die Unternehmen den freiwilligen Charakter des Paktes begrüßen und sich ihm auch deshalb gern anschließen, kritisieren zivilgesellschaftliche Organisationen gerade diese Freiwilligkeit", schreibt die Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB). Gefordert werde eine Überprüfung der Corporate-Social-Responsibility-Vorhaben der Unternehmen und ein verbindlicher Ordnungsrahmen auf globaler Ebene, der auch Sanktionen nicht ausschließe. "Einerseits sollen so die inaktiven von aktiven Mitgliedsunternehmen unterschieden werden, andererseits soll verhindert werden, dass die Vereinten Nationen für die Zwecke der Unternehmen vereinnahmt werden. Dies gilt insbesondere für die Unternehmen, die den UNGC zur Verbesserung ihres Images nutzen, sich gleichzeitig aber nicht an die Prinzipien des UNGC halten", erklärt die BPB. Quelle: IBC Solar / BPB / sue

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Berater sehen Unabhängigkeit in Gefahr

26. Oktober 2017 - 7:00

Mit diesen Plänen stehen der Branche große Veränderungen ins Haus. Bisher werden Energieberatungen nämlich nur dann gefördert, wenn die Berater keinerlei wirtschaftliches Interesse an Investitionsentscheidungen des Beratungsempfängers haben und wenn sie nicht bei einem Hersteller, ausführenden Unternehmen oder Energieversorger beschäftigt sind.

Was nach der Neuregelung passieren könnte, malt der Vorsitzende des Deutschen Energieberater-Netzwerks, Hinderk Hillebrands aus: "Denkbar wäre etwa, dass Handwerker, die sich gleichzeitig Energieberater nennen dürfen, mit Kollegen zusammenarbeiten und sich gegenseitig empfehlen. Dann hat der beratende Kollege kein vorhabenbezogenes Interesse, kann dem ausführenden Kollegen aber einen Vorteil verschaffen. Beim nächsten Mal macht man es dann umgekehrt. Am Ende ist der Kunde der Angeschmierte", warnt Hillebrands. Er glaubt: "Die geplante Erweiterung des Energieberaterkreises gefährdet Qualität und Verbraucherschutz."

Beratungszahlen stagnieren seit Jahren

Dazu entgegnet eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums: "Die Zulassungsvoraussetzungen sollen so geändert werden, dass künftig alle im Beratungsbereich besonders qualifizierten Fachleute in der geförderten Energieberatung tätig sein können." Denn die Beratungszahlen stagnierten seit Jahren auf niedrigem Niveau . "Ein Grund hierfür könnte sein, dass das Potenzial an qualifizierten Beratern nicht ausgeschöpft wird", sagt die Sprecherin. Auf jeden Fall sehe das Ministerium Handlungsbedarf.

Die Konsequenz der Erweiterung sei, dass qualifizierte Fachleute aus allen Branchen beraten können, wenn sie die hohen Anforderungen an die Qualifikation erfüllen. "Der Verbraucher hat künftig eine größere Wahlmöglichkeit und kann auch auf Berater seines Vertrauens zurückgreifen", sieht das Ministerium die positive Seite. "Die Energieberatung soll dadurch breiter in den Markt getragen werden. Durch mehr qualifizierte Beratungen sollen im Anschluss auch mehr Effizienzmaßnahmen umgesetzt werden", sagt die Sprecherin.

Die Grundlagen der Qualitätssicherung in den Beratungsprogrammen sollen weiterhin erhalten bleiben, versichert sie. Das sind die fachliche Qualifikation (Grundqualifikation und Weiterbildung) des Energieberaters, die Qualitätssicherung der Beratungsberichte sowie das Verbot der Annahme von Provisionen und anderen geldwerten Vorteilen.

Nur alle 400 Jahre an der gleichen Haustür geklingelt

"Das wichtigste Betriebskapital der Energieberater ist ihre Unabhängigkeit", gibt Peter Kafke zu Bedenken. Er ist zuständig für die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Selbst wäre der VZBV von der Neuregelung nicht betroffen: "Wir machen unser eigenes Qualitätsmanagement, indem wir die Berater in einem eigenen Qualitätsverfahren aussuchen und weiterbilden und schließlich die Kunden befragen. Das können und werden wir weiterhin tun", berichtet Kafke. "Die Frage ist aber, ob der Verbraucher die verschiedenen Arten von Unabhängigkeit auseinanderhalten kann. Also ob der Berater nur fallweise vorhabensunabhängig berät oder ob es in seiner sämtlichen Beratungstätigkeit nur um die Interessen der Kunden geht."

Insgesamt sei der Markt für Beratungen wegen der niedrigen Energiepreise eher rückläufig, bestätigt Kafke. Auch wenn die 550 Berater des VZBV in den vergangenen Jahren jährlich 100.000 Beratungen gemacht haben, klingeln sie statistisch gesehen nur alle 400 Jahre an der gleichen Haustür, sagt er.

Mit Digitalisierung die Plausibilität checken

"In jedem Falle brauchen wir mehr Energieberater und Beratungen", sagt Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff). "Wenn man die Idee eines individuellen Sanierungsfahrplans bestmöglich umsetzen will, brauchen wir bis 2050 mehr als 300.000 Energieberatungen pro Jahr. Die zugelassenen 14.000 Energieberater wären dafür zu wenig."

Doch Noll bringt noch einen ganz anderen Aspekt ins Spiel: Eine Untersuchung der Deneff habe ergeben, dass die Hausbesitzer gegenüber Beratungen grundsätzlich skeptisch sind und kaum professionelle Angebote kennen. "Ein gutes Standing haben öffentliche Absender oder Initiativen wie Pro Klima in Hannover. Auch Netzwerke wir die EZA im Allgäu können helfen Vertrauen zu schaffen", sagt er. Das Problem ließe sich mit der Digitalisierung lösen: "Damit könnte man alle Energieberatungen einem Plausibilitätscheck unterziehen", schlägt Noll vor. Von Susanne Ehlerding

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Deneff fordert Steuerförderung

26. Oktober 2017 - 7:00

Robert Habeck, Energiewende-Minister des Landes Schleswig-Holstein, bekräftigte in seiner Rede den Stellenwert der Energieeffizienz beim Erreichen der Klima- und Energiewendeziele. Er sagte: "Eine neue Bundesregierung muss mit dem Klimaschutz ernst machen. Das gilt erst Recht für eine mit grüner Beteiligung. Die Herausforderungen sind riesig. Die Klimalücke zu den 2020 Zielen ist weit größer als immer angegeben. Energieeffizienz kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Und das in allen Bereichen, von den Gebäuden bis zu den industriellen Prozessen. Nur mit einer Verringerung des Verbrauchs haben wir überhaupt eine Chance, die Klimaziele einzuhalten."

Dem CO2 einen Preis zu geben, würde ebenfalls helfen: "Skandinavien hat schon 60 Prozent erneuerbare Energien im Wärmesektor. Wir fördern immer noch den Einbau von Ölheizungen. Das ist geradezu ungehörig", sagte Habeck.

Carsten Müller, Vorstandsvorsitzender der Deneff und Mitglied des Deutschen Bundestags, sprach sich im Namen der 160 Mitglieder des Energieeffizienz-Netzwerks für zuverlässige und wirkungsvolle politische Rahmenbedingungen aus: "Energieeffizienz muss in der kommenden Legislaturperiode die entscheidende Rolle in der Klima- und Energiepolitik einnehmen. Nur so kann das Energiesystem wirtschaftlich sinnvoll klimaverträglich umgebaut werden. Dafür braucht die Wirtschaft stabile Rahmenbedingungen. Die Steuerförderung für Haussanierer muss endlich kommen, der Förderrahmen stärker an tatsächlichen Ergebnissen ausgerichtet werden und innovative Ansätze wie der Einsparzähler weiter vorangetrieben werden, um die Digitalisierung als Turbo für die Energieeffizienz zu starten."

Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für die Energieunion, bekräftigte in einer Videobotschaft die Verantwortung der neuen deutschen Regierung: "Energieeffizienz ist einer der Grundpfeiler der Energie Union. Sie ist die sauberste, billigste und wirtschaftlichste Energiequelle, die wir haben. Ich hoffe, dass die neue deutsche Regierung Vorreiter bleibt bei der Förderung der Energieeffizienz auf der nationalen, europäischen und globalen Ebene." Quelle: Deneff / sue

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Forschung für einen Solarpionier

25. Oktober 2017 - 7:00

Konrad Frey war Absolvent der TU Graz im Studiengang Architektur und einer der wichtigsten Vertreter der avantgardistischen Grazer Schule. Er baute ab 1972 mit dem Haus Fischer am Grundlsee das erste Solarhaus Österreichs, das europaweit beispielgebend war.

Ab Mitte der 60er Jahre experimentierte der heute hochbetagte Konrad Frey mit neuen Technologien zur Gewinnung von Sonnenenergie, zur Wärmespeicherung, Zentralheizung und Ventilation und baute mehrere Prototypen für aktive und passive Solargebäude. Darüber hinaus entwickelte einen wissenschaftlichen Zugang zur Solararchitektur.

Während Freys theoretische Untersuchungen am Grazer Institut für Umweltforschung und seine internationalen Kooperationen mit Theoretikern weitgehend veröffentlicht sind und 1989 zur Initiative der Österreichischen Energieberatung führten, ist sein Beitrag zum globalen Diskurs der Solararchitektur und Umweltforschung bislang nicht wissenschaftlich untersucht. Das soll das Forschungsprojekt von Anselm Wagner, Leiter des Instituts für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz, ändern. Wagner arbeitet darin zusammen mit der Abteilung für Bauphysik und Bauökologie der TU Wien.

Wagner ist auch Herausgeber eines Buchs über das Solarhaus Zankel im französischen Prévessin bei Genf, das vom CERN-Physiker Karl Zankel für dessen Familie errichtet wurde. Zu Freys weiteren Hauptwerken zählen der Kindergarten in Hart bei Graz und das Kunsthaus Mürzzuschlag. Quelle: TU Graz / sue

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Fachmesse vereint Geothermiebranche

25. Oktober 2017 - 7:00

Wegen der zahlreichen Neuaussteller wurde die Ausstellungsfläche vergrößert. Neben der Fachmesse bieten zwei parallel laufende Kongresse zur oberflächennahen und tiefen Geothermie Expertenwissen mit Praxisbezügen. Aufgrund der hohen Internationalität der Veranstaltung werden alle Vorträge der beiden Kongresse simultan ins Deutsche, Englische und Französische übersetzt.

In Kooperation mit der Internationalen Geothermischen Vereinigung und der Internationalen Energieagentur (IEA Geothermal TCP) findet zudem ein Asien-Symposium am Vortag der GeoTHERM in der Oberrheinhalle auf dem Offenburger Messegelände statt. Internationale und nationale Vertreter können sich hier über aktuelle Aktivitäten, Erkenntnisse und Projekte der Geothermie-Branche in Asien austauschen.

European Geothermal Innovation Award

Parallel zur Vorbereitung der Kongresse ist die Ausschreibung für den European Geothermal Innovation Award gestartet. Aus allen Einreichungen werden drei Nominierte im Vorfeld der GeoTHERM verkündet, die durch herausragende Leistungen den Geothermiemarkt nachhaltig beeinflusst haben. Aus ihnen wird im Rahmen der GeoTHERM der Sieger gekürt.

Der Vorverkauf des Kombi-Tickets für Kongress und Fachmesse der GeoTHERM ist gestartet. Bis zum 17. November ist der Spezial-Frühbucher-Tarif für 28 Euro bei einem Ein-Tages-Ticket und für 48 Euro bei einem Zwei-Tages-Ticket buchbar. Außerdem sind die Eintrittskarten für den beliebten und oft frühzeitig ausgebuchten Abendempfang, der ein Netzwerken in schöner Atmosphäre am 1. März ermöglicht, verfügbar.

Gerne steht das Team der GeoTHERM für Fragen und Anregungen unter geotherm@messe-offenburg.de oder +49 (0)781 9226-54 zur Verfügung. Quelle: GeoTHERM / sue

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Buderus erhält German Design Award

24. Oktober 2017 - 7:00

Zu den Preisträgern zählt die Luft/Wasser-Wärmepumpe Logatherm WLW196i AR T, die aus einer Einheit für den Außen- und einer für den Innenbereich besteht. Die Jury zeigte sich beeindruckt vom Titaniumglasdesign der Inneneinheit, die in schwarz oder weiß erhältlich ist. Durch die hochwertige und zugleich robuste Glasfront sowie eine klare Formensprache mache die Towerlösung auch im Wohnbereich eine gute Figur. Ein 190 Liter-Warmwasserspeicher ist integriert, ohne die Optik zu beeinträchtigen.

Die Logatherm WLW196i AR T wandelt die Energie in der Umgebungsluft in Wärme für Heizung und Warmwasser um und eignet sich vor allem für den Einsatz in Ein- und Zweifamilienhäusern. Sie ist in den Leistungsgrößen 6, 8, 11 und 14 Kilowatt sowie in vier verschiedenen Varianten erhältlich: Alternativ zur Logatherm WLW196i AR T stehen eine weitere Towerlösung mit integriertem Solarwärmetauscher und zwei Varianten zur Wandmontage zur Wahl.

Alle vier Varianten gibt es auch als Logatherm WLW196i IR, bei der beide Komponenten im Gebäude aufgestellt werden. Anlagenbetreiber können dank integrierter Internet-Schnittstelle die Wärmepumpe mit ihrem Smartphone oder Tablet über die Buderus App EasyControl steuern.

Ebenfalls mit dem German Design Award 2018 prämiert werden die Buderus Geräte der Logano plus Serie. Diese umfasst Gas- und Öl-Brennwertgeräte, die sich durch ihre modulare Bauweise, gute Systemintegration, Internetanbindung und das charakteristische Design mit Glasfront auszeichnen. "Alle wichtigen Komponenten sind gut zugänglich und so angeordnet, dass sich Wartungs- und Servicearbeiten schnell erledigen lassen", verspricht Buderus.

Zur Serie gehört beispielsweise der Öl-Brennwertkessel Logano plus KB195i. Er passt er seine Leistung automatisch dem aktuellen Wärmebedarf an. Der leise Betrieb und das moderne Design ermöglichen es, den Heizkessel in die Innenarchitektur des Gebäudes zu integrieren und im wohnraumnahen Bereich oder Hobbyraum aufzustellen.

Der Logano plus KB195i lässt sich als Single-Kessel oder in Kombination mit einem Warmwasserspeicher einsetzen. Anlagenbetreiber können den Öl-Brennwertkessel mit der Systembedieneinheit Logamatic RC310 steuern. Diese ist ebenfalls im Buderus Titanium Design gestaltet und in schwarz oder weiß erhältlich.

Das Profiportal Control Center ConnectPRO vernetzt die Buderus Handwerkspartner mit den Heizungsanlagen ihrer Kunden. Der Heizungsfachmann erkennt damit auf einen Blick, wo die Anlagen regulär arbeiten und wo demnächst eine Wartung ansteht. Tritt an einer betreuten Anlage eine Störung auf, erhält er eine ausführliche Fehlerdiagnose. Dabei werden direkt mögliche Ursachen und deren Wahrscheinlichkeit aufgezeigt. Das Control Center ConnectPRO zeigt darüber hinaus, wie der Fehler behoben werden kann, wie lange die Reparatur voraussichtlich dauern wird und welche Ersatzteile dafür nötig sind. Für dieses Kommunikationsdesign erhält das Control Center ConnectPRO ebenfalls den German Design Award 2018.

Die Jury des Wettbewerbes kürt Produkte, die auf ihre Art wegweisend in der internationalen Designlandschaft sind. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom Rat für Formgebung, der 1953 auf Initiative des Bundestages als Stiftung gegründet wurde. Die Preisverleihung ist Teil der Konsumgütermesse Ambiente im Februar kommenden Jahres in Frankfurt am Main. Quelle: Buderus / sue

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Ländle probt die Wärmewende von unten

24. Oktober 2017 - 7:00

Klaus Gall, diplomierter Architekt mit Schreinerlehre, ist ein ruhiger, verschmitzter Mittfünfziger. Im kahlen Wirtschaftsraum neben dem Holzheizkraftwerk tritt er vor eine Journalistengruppe und beginnt in schwäbelndem Plauderton, von den Anfängen seiner Nahwärmegenossenschaft zu erzählen. Nach zwei Minuten horcht man auf und ab dann kommt auch jemand, der schon viele solcher Erfolgsgeschichten gehört hat, immer wieder ins Staunen.

Pfalzgrafenweiler, das ist einer der verstreuten Orte im Nordschwarzwald: Viel Wald, etwas Möbelindustrie, genügend Platz. Der richtige Ort für einen Investor, der hier dank der seinerzeit großzügigen EEG-Biomasse-Förderung ein Holzheizkraftwerk bauen konnte, ohne viel von der anfallenden Wärme verwerten zu müssen. Der Architekt der Kraftwerksgebäude war Klaus Gall. Mit einer kleinen kirchlichen Umweltgruppe überlegte er angesichts der alten Heizung im Gotteshaus: "Der Idealfall wäre, wenn die übrige Wärme aus diesem Kraftwerk zu unserer Kirche kommen würde."

Mit zehn Mitstreitern gründete Gall im Herbst 2008 die "Weilerwärme"-Genossenschaft. "Jeder von uns hat 10.000 Euro Bürgschaft an die Bank gegeben, und dann haben wir 140.000 Euro Darlehen bekommen." Genug für die ersten 200 Meter Nahwärmeleitung. Bis zur Kirche fehlten noch 1800 Meter; doch die Genossenschaft konnte entlang der Leitung schon mal ein paar Wohnhäuser anschließen. Und in der Satzung steht: Wer einen Nahwärmeanschluss will, der muss auch beitreten. "So waren wir dann im Jahr später schon über 100 Mitglieder."

"Dann wird's schon richtig sein"

Die Augen stets offen für Gelegenheiten bewarb man sich um den Titel "Bioenergiedorf". Eine der Voraussetzungen: Die Gemeinde musste alle kommunalen Gebäude ans Wärmenetz anschließen. Die Genossen konnten die Gremien für ihr Vorhaben gewinnen, und das Vertrauen der Entscheider überzeugte wiederum weitere potenzielle Wärmeabnehmer. Die Leute sagten sich: "Ok, wenn sogar der Bürgermeister sagt, das ist eine gute Sache, und der Gemeinderat beschließt, alle Gebäude anzuschließen, dann wird’s schon richtig sein", berichtet Gall. Der Damm war gebrochen: 2010 konnten sich Gall und die beiden anderen Vorstände über 271 neue Mitglieder der Genossenschaft freuen – eine Verdreifachung innerhalb eines Jahres. 388 waren sie nun, und Pfalzgrafenweiler war Bioenergiedorf.

Weilerwärme ließ eine Leitung nach der anderen verlegen. Es habe bis 2012 Straßenzüge mit 100 Prozent Anschlussquote gegeben, sagt Gall "Da waren wir auch günstiger vom Kilowattstundenpreis als Öl, als das noch relativ teuer war." Heizöl und Erdgas – auch das gibt es im Ort – sind jetzt viel billiger als damals; auch billiger als die Kilowattstunde Nahwärme, um etwa zwei Cent je nach Anschlusswert.

In der Vollkostenrechnung günstiger

"Trotzdem behaupten wir, dass wir in der Vollkostenrechnung günstiger sind", sagt Gall und rechnet vor: Ein Nahwärmeanschluss für ein Einfamilienhaus kostet 4000 Euro. Der Betrag für die Übergabestation ist durch einen Zuschuss der KfW fast vollständig gedeckt. In Baden-Württemberg gilt das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, wo man mindestens 15 Prozent der Wärme regenerativ erzeugen muss. "Wenn jetzt jemand eine alte Ölheizung rausreißt, eine neue reinmacht, muss er mindestens noch eine Solaranlage aufs Dach machen. Da ist man unter 15.000 bis 25.000 Euro normalerweise nicht dabei."

Und nicht nur die Abschreibung für die Anlage, sondern auch die Gebürehn für den Schornsteinfeger und die jährlichen Wartungskosten müsse man mit einrechnen. Sie entfallen bei der Nahwärme; von der Klimabilanz gar nicht zu reden. So sehen es offenbar auch die meisten Hausbesitzer. Im Dorf sind mit über 28 Kilometern Nahwärmeleitung inzwischen 80 Prozent der Gebäude erschlossen. Das entspricht knapp 600 Liegenschaften, 3000 Haushalten und über 800 Mitgliedern.

Statt Anschlusszwang ein Kniff

Dafür brauchte es keinen Anschluss- und Benutzungszwang in Neubaugebieten, den die Genossen sowieso ablehnen. Aber einen Kniff haben sie da schon. Sie sind bei einem Baugebiet, das gerade in Planung ist, mit der Gemeindeverwaltung in Verhandlungen für folgende Regelung: "Die Gemeinde bezahlt 4000 Euro pro Grundstück, wenn wir die Leitung mit reinlegen. Und die verkaufen das Grundstück einfach 4000 Euro teurer an den Bauplatzkäufer."

Gall findet, diese 4000 Euro seien Gold wert: "Wenn ich ein Grundstück kaufe mit Kanalanschluss, mit Wasseranschluss, mit Stromanschluss, und habe sogar noch einen Heizungsanschluss – da muss ich nicht mal mehr einen Heizungsraum planen, da muss ich keinen Schornstein mehr planen."

Die rund 22,5 Millionen Kilowattstunden Nahwärme, die Weilerwärme derzeit jährlich liefert, stammen längst nicht mehr nur aus dem ursprünglichen Holzheizkraftwerk. Ein fast baugleiches ist 2015 hinzugekommen. Beide gehören mittlerweile je zur Hälfte einem Vorstandsmitglied privat und der Genossenschaft, und beide verwenden als Arbeitsmedium nicht Wasserdampf, sondern Thermoöl. Dieses Verfahren (ORC = Organic Rankine Cycle) erfordert weniger Sicherheitsaufwand, wenngleich die Stromausbeute geringer ist. Mit zusammen 6180 Kilowatt thermisch, ergänzt durch eine Biogasanlage und drei Erdgas-BHKWs, decken die beiden Heizkraftwerke die Grundlast.

Für die Mittellast gibt es fünf Holzhackschnitzel- und Spänekessel. Gall: "Da sind zwei große Möbelfabriken dabei; mit denen haben wir einen Vertrag geschlossen, dass sie in der ganzen Schwachlastzeit, den Sommer über bis in den Herbst, ihre Späne horten und ihren Kessel ausschalten; und im Winter wird die Wärme rückgeliefert und ins Netz eingespeist."

Und schließlich gibt es sieben Spitzenlastkessel mit Heizöl und Erdgas, auch als Ausfallreserve. So kommen unter dem Strich 17 Wärmeversorger zusammen, die je nach Jahr rund 80 Prozent der Wärmemenge regenerativ liefern, und zwar bei Netzverlusten um die 16 Prozent und mit einem zertifizierten Primärenergiefaktor von 0,0 – "rechnerisch sogar minus 0,2", wie Gall betont.

Eigene Leitungen führen zu Ärger mit EnBW

Zum Konflikt mit dem Stromnetz-Konzessionsinhaber EnBW kam es, weil die mittlerweile um "Weilerstrom" ergänzte Energiegenossenschaft begonnen hat, für ihren Ökostrom parallel elektrische Leitungen zu verlegen, wenn sie für die Wärmerohre den Boden sowieso aufgraben und verschließen lassen muss. Denn das Teure sind nicht die Rohre an sich (80 Euro pro Laufmeter), sondern die Erdarbeiten mit 180 Euro. "Die 180 Euro braucht man, ob man da nur eine Wärmeleitung reinlegt oder auch Stromleitungen oder Datenleerrohre."

Statt eines Netznutzungsentgelts von rund 7 Cent pro Kilowattstunde an die EnBW kommt Weilerstrom beim Selbstverlegen auf "zirka 2 Cent". EnBW hat geklagt. Der Gerichtstermin in Stuttgart ist am 9. November, und Klaus Gall gibt sich zuversichtlich.

95 Prozent erneuerbare Wärme im kirchlichen Mikronetz

Neben weiteren Stationen machte die Pressereise, veranstaltet von der Agentur für erneuerbare Energien (AEE) und dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV), auch in Stuttgart-Möhringen halt, wo Andreas Groll von der Herstellerfirma KWB zwei Pelletheizungen vorstellte. Die eine mit einer Nennleistung von 100 Kilowatt versorgt über ein sehr kleines sogenanntes Mikronetz die Kirche St. Hedwig samt Gemeindehaus, Pfarrhaus und Kindergarten. Nur an den wenigen sehr kalten Tagen wird ein Erdgaskessel dazugeschaltet, so dass 95 Prozent der Wärme erneuerbar geliefert werden.

Die andere Pelletanlage, eine von elf Holzpelletheizungen der Stadt Stuttgart und zugleich die größte, arbeitet im benachbarten Königin-Charlotte-Gymnasium KCG. Die 1,1 Millionen Kilowattstunden Wärme reichen derzeit aus, um das gesamte Schulzentrum zu 90 Prozent zu beheizen.

Jürgen Görres, Leiter der Abteilung Energiewirtschaft im Amt für Umweltschutz: "Unser Bestreben ist, mit wärmedämmtechnischen Verbesserungen diese Schule so hinzukriegen, dass wir dann langfristig nur mit dem Energieträger erneuerbare Holzpellets auskommen." Insgesamt hat die Stadt zurzeit 1270 Kilowatt thermische Holzpellet- und 2600 Kilowatt Holzhackschnitzelleistung installiert.

Auf die Frage von DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele, ob man wie in Paris Pellets mit staatlicher finanzieller Unterstützung in die Kohleheizkraftwerke einblasen werde, wies Görres auf eine regional begrenzt verfügbare Menge hin: "Wir haben mal für Stuttgart so ein bisschen hochüberschlagen. Wir rechnen damit, dass das, was heute produziert und eingesetzt wird, vielleicht verfünffacht werden könnte. Denn wir wollen ja nicht aus Weißrussland die Pellets hierher transportieren."

Im Stuttgarter Kernbereich wolle man außerdem wegen der Feinstaub-Diskussion nicht zusätzlich Pellets einsetzen – hier "muss aus meiner Sicht die Fernwärme ausgebaut werden", findet Görres. EnBW baue derzeit ein Kraftwerk von Kohle auf Erdgas um. Bis 2050 dann solle dieses Gas zum Beispiel Biomethan sein – jedenfalls solle die Fernwärme "klimaneutral" werden. Von Alexander Morhart

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Funkschalter arbeiten batterielos

23. Oktober 2017 - 7:00

Die Funkschalter können auf Flächen – auch auf Glas, Kacheln oder Marmor – aufgeklebt werden und erzeugen ihren geringen Energiebedarf selbst durch die Bewegung des Schalters beim Ein- und Ausschalten. „Das reduziert Bau-, Installations- und Materialkosten und ist dabei noch umweltfreundlich, da sowohl CO2-Emissionen als auch Industrie- und Bauabfälle eingespart werden“, teilt Codalux mit.

Während früher pro Raum ein Schalter und etwa vier Steckdosen ausreichten, hat sich der Ausstattungsstandard der Elektroinstallation mittlerweile vervielfacht. Das trägt zum Wohnkomfort bei. Doch jeder klassische Schalter muss per Kabelverbindung an das Stromnetz angeschlossen sein. Das macht teure (Unterputz-)Zuleitungen beim Neubau oder der Sanierung nötig.

Codalux präsentiert mit den Codalux Kinetic Switches eine Serie von Schalterlösungen, die auf Basis der Piezotechnik selbstversorgend arbeiten. Die Piezotechnik ist ein physikalischer Effekt, bei dem piezoelektrische Halbleiter, die eine mechanische Formveränderung (hier also den Druck auf den Schalter) erfahren, elektrische Spannung erzeugen. Diese geringe Spannung reicht aus, um per Funk ein Steuersignal an einen elektronischen Regler zu senden, der beispielsweise Lampen ein- oder ausschaltet.

Die Funktechnologie ermöglicht den flexiblen Einsatz von kinetischen Schaltern in der Gebäudetechnik ebenso wie bei Smart-Home-Lösungen für Neubauten, Altbausanierungen oder Nachrüstungen. Mit geringem Aufwand und ohne für die Kabelverbindungen zwischen Schalter und Verbraucher Wände aufstemmen zu müssen, können die Codalux Kinetic Switches überall dort angebracht werden, wo sie benötigt werden.

Eine Vorbereitung zum Anschrauben ist bereits in die Grundplatte des Schalters eingearbeitet. Selbst wenn nachträglich zusätzliche Schalter gewünscht werden, können diese mit wenigen Handgriffen montiert und mit einem entsprechenden Empfänger gekoppelt werden. Sämtliche Codalux-Schalter CE-, RoHS- und DIN-konform. Außerdem arbeiten sie nach Angaben des Unternehmens emissionsarm, was die Belastung durch elektromagnetische Strahlung reduziert.

Durch Einsatz der Schalter lassen sich die Kosten für Verkabelung und Elektroinstallation durch Zeit- und Materialeinsparung um bis zu 40 Prozent senken, heißt es weiter. Einsparungen ergäben sich auch bei den Energie- und Betriebskosten. Selbstversorgende Schalter benötigen keine Wartung, da sie verschleißfrei sind und keine Batterien ausgetauscht werden müssen.

Die Kinetik-Funkschalter von Codalux haben eine Reichweite von etwa 30 Metern innerhalb von Gebäuden und bis zu 160 Metern im Freien. Das Schalterset besteht aus einem Schalter beziehungsweise Bedienelement mit bis zu drei Tasten und einem dazu gehörigen Empfänger mit elektronischem Regler, der vor das elektrische Gerät, etwa eine Lampe, eingebunden wird.

Ein Empfänger/Regler kann mit bis zu zehn Schaltern gekoppelt werden, beispielsweise in einem Treppenhaus. Ebenso kann ein Schalter mit mehreren Lampen gekoppelt werden. Die zwei- oder dreitastigen Schalterlösungen von Codalux können mit zwei oder drei verschiedenen Empfängern und Empfängergruppen gekoppelt werden. Die Lebensdauer der Schalter reicht für ca. 250.000 Schaltungen und die der Empfänger/Regler liegt bei mehr als 150.000 Schaltungen. Erste Referenzen zum erfolgreichen Einsatz der Kinetic Switches in Wohn- und Geschäftshäusern, Einkaufszentren, Krankenhäusern und Hotels gibt es derzeit vor allem aus China, aber auch aus Singapur, Indien und dem Oman. Quelle: Codalux / sue

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Umfrage zeigt Willen zum CO2-Sparen

23. Oktober 2017 - 7:00

Bislang lautet das offizielle Ziel der Bundesregierung noch, die klimaschädlichen Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Umweltexperten rechnen jedoch damit, dass ohne Nachsteuerung bestenfalls ein Minus von 32,5 Prozent zu erwarten ist.

"Die Klimaschutzziele sind nur mit einer Energiewende im Wärmesektor zu retten", sagt Frank Jahns, Geschäftsführer der Stiebel-Eltron-Vertriebsgesellschaft. Die Studie "Sektorkopplung durch die Energiewende" der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin komme zu dem Ergebnis, dass in Zukunft ein wesentlicher Teil des Energiebedarfs bei der Wärme durch elektrische Energie gedeckt werden muss, um das Ziel einer weitgehend kohlendioxidneutralen Energieversorgung zu erreichen.

Der Beitrag der Verbraucher sei demnach ein Schlüsselelement, um durch klimafreundliche Technologie im Heizungskeller den CO2-Ausstoß zu reduzieren - beispielsweise durch eine Wärmepumpe. Dies allerdings hatte jüngst eine Studie der Dena infrage gestellt.

Was jedoch unbestritten ist: "Für die Energieversorgung der Zukunft gilt es, den Strom- und Wärmesektor konsequent miteinander zu verzahnen", sagt Frank Jahns. "Im Sektor Wärme bietet die Nutzung von Strom gleich mehrere Vorteile: Die Energieeffizienz wird erhöht, die Treibhausgasemissionen werden gesenkt und die Nutzung erneuerbarer Energien wird ausgebaut. Im Neubaubereich gehören Wärmepumpen deshalb längst zu den etablierten Wärmeerzeugern - häufig betrieben mit grünem Umweltstrom." Im nächsten Schritt werde es darum gehen, den Siegeszug der grünen Heiztechnik in Bestandsbauten fortzusetzen.

Die Mehrheit der Verbraucher wünscht sich von der Bundesregierung bei der Kostenverteilung der Energiewende neue Weichenstellungen: 70 Prozent der Befragten finden es falsch, dass nur der Stromkunde die Energiewende bezahlen muss und fordern, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase den Verursachern mehr Geld kosten soll. Quelle: Stiebel Eltron / sue

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Bafa macht Ausnahme bei Anträgen

22. Oktober 2017 - 7:00

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) hatte sich mit weiteren Fachverbänden des erneuerbaren Wärmesektors für die Übergangsregelung eingesetzt. Ab 1. Januar 2018 ist die Förderung für Heizungen mit erneuerbaren Energien eigentlich immer vor Umsetzung der Maßnahme beim Bafa zu beantragen. Das galt auch, wenn die Anlage in diesem Jahr in Auftrag gegeben, aber erst 2018 im Betrieb genommen wird.

Antragsteller können nun jedoch mit ihrem Antrag ein zusätzliches Formular einreichen, das in Kürze auf der Seite des Bafa stehen wird. Die Anlage muss bis spätestens 30. September 2018 in Betrieb genommen und der Förderantrag bis dahin eingereicht werden. Eine entsprechende Festlegung wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie getroffen.

Keine Änderungen gibt es an den Fördersätzen und technischen Anforderungen. Auch in der Innovationsförderung und für gewerbliche Antragsteller ändert sich nichts.

Für Anlagen, die ab dem 1. Januar 2018 beauftragt werden, ist die Möglichkeit der nachträglichen Antragstellung generell abgeschafft. Für diese Projekte muss der Antrag zwingend vor der Vergabe des Auftrags beim Bafa eingereicht werden – unabhängig davon, ob Basis- oder Innovationsförderung beantragt werden. Die neuen Formulare für die Basisförderung stehen ab Dezember auf der Bafa-Homepage zur Verfügung. Das Bundesamt fördert weiterhin auch die Heizingsoptimierung. Quelle: BWP / sue

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Holzverband kritisiert Bauordnungsrecht

20. Oktober 2017 - 7:00

DHV-Präsident Erwin Taglieber stellte gleich zu Anfang klar, worum es im Bausektor in der neuen Legislaturperiode gehen muss: "Wir fordern zuallererst die Änderung der Energie-Einsparverordnung in eine CO2-Einsparverordnung. Nur, wenn wir uns den Herausforderungen des Klimawandels mit offenem Visier stellen, können wir auch Erfolge verbuchen. Leider ist es im Deutschen Bundestag bisher so, dass sich scheinbar niemand so recht traut, die Potenziale des Holzbaus und unseren Beitrag zum Klimaschutz angemessen zu würdigen."

"Wer immer nur auf Steinzeit-Lobbyisten hört, kann keine gute Politik für die Zukunft machen. Höchste Zeit, dass sowohl der nachhaltige Neubau als auch die energetische Bestandssanierung mit Sachverstand und Nachdruck vorangetrieben werden", sagte Taglieber.

Der DHV fordert ein eigenständiges – handlungsfähiges – Bundesbauministerium, das nicht erneut als Anhängsel eines anderen Ressorts ein Schattendasein fristet. Zu dessen Aufgaben muss nach Ansicht des DHV zuvorderst die Vereinheitlichung aller 16 Landesbauordnungen gehören.

Neue Musterbauordnung ökologisch gestalten

Der DHV macht sich dafür stark, dass die neue Musterbauordnung in weiten Teilen nach dem Vorbild der äußerst fortschrittlichen – betont holzbaufreundlichen – Landesbauordnung (LBO) von Baden-Württemberg gestaltet wird. Holzbaufeindliche Bremsklötze wie die LBO von Nordrhein-Westfalen kann sich der Bund nicht länger leisten, wenn aus der Energiewende noch etwas werden soll. „Es gilt, das deutsche Bauordnungsrecht gründlich zu entrümpeln und auf einen zukunftsfähigen Kurs zu bringen. Wenn in Wien ein 84 Meter hohes Haus aus Holz gebaut werden kann, dann geht das selbstverständlich auch bei uns – wenn man nur will", unterstrich der DHV-Präsident unter Beifall der Tagungsteilnehmer.

"Ein in seiner Zielsetzung unreflektiertes Bauordnungsrecht verhindert, dass der Holzbau sein eigentliches Potenzial auch in Deutschland voll entfalten kann", bekräfigte Ludger Dederich vom Lehrstuhl für Holzbau an der Hochschule Rottenburg/Neckar.

In Fragen der energetischen Sanierung spricht sich Alexander Gumpp klar für Bestandsmodernisierungen auf Neubaustandard anstelle von Abriss und Ersatzneubau aus: "Mehr Primärenergie und CO2 kann man gar nicht sparen, als wenn man schon Vorhandenes vernünftig instandsetzt und weiter nutzt!", sagte er.

Ludger Dederich schlug in seinem Vortrag einen weiten Bogen von der Bronzezeit bis in die Gegenwart, um neues Bauen auf historische Wurzeln zurückzuführen und dabei Unterschiede wie Gemeinsamkeiten herauszustellen. "Holzbau, wie er heute ist, ist das Ergebnis handwerklichen Schaffens und nicht das Resultat von Industrieprozessen. Holzbau-Architektur bedeutet, dass die Materialität die Gestaltung definiert. Klar gegliederte, auf das Wesentliche konzentrierte Konstruktionen sind daher wesentliche Merkmale des Holzbaus", führte Dederich aus.

Im Hochhaus brennt es nicht anders als im Einfamilienhaus

Völlig frei hielt Stefan Winter von der TU München einen Vortrag über den Brandschutz und konkrete Anforderungen, die sich nach europäischer Norm für den Holzbau insbesondere in den Gebäudeklassen III, IV und V ergeben. Dabei befasste er sich auch mit den Ursachen von Bränden und ihren zeitlichen Verläufen: "Die Wahrscheinlichkeit eines Brandes hat weniger mit dem Baumaterial als vielmehr mit der Verteilung der Bevölkerung zu tun", sagte er.

Wo mehr Menschen dicht beieinander wohnen, ist die Brandwahrscheinlichkeit höher, weil jeder Brandfall immer eine konkrete Brandursache hat: Häufig menschliche Unachtsamkeit. Der Brandschutz sollte daher objekt- und nutzungsspezifisch geplant werden, bevor man mit dem Bauen beginnt, riet Prof. Winter: "Ein Schott in einer Brandwand, durch das Stromkabel geführt werden, muss am Ende auch dicht sein – sonst ist es kein Brandschott, sondern ein gefährlicher Baumangel aufgrund handwerklicher Fahrlässigkeit."

Gelungene Beispiele für vorbildliche Holzbau-Architektur zeigte Florian Nagler, der als freier Architekt tätig ist und ebenso wie Winter an der TU München lehrt. Nagler plädierte für klare Rahmenbedingungen, wie ein Gebäude an einem bestimmten Standort in seiner baulichen Umgebung aussehen darf. Diese Vorschriften zu berücksichtigen, sei für gute Architekten weniger eine Einschränkung ihrer künstlerischen Freiheit als vielmehr eine Herausforderung, die es bei jedem Projekt erneut zu meistern gelte. Quelle: DHV / sue

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