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Energetisch Bauen und Sanieren - Nachrichten und aktuelle Entwicklungen
Aktualisiert: vor 12 Minuten 50 Sekunden

Standardisierung soll Eigenstrom günstiger machen

29. Oktober 2018 - 7:41

Baustolz erreicht beim Bauen Preisvorteile durch klare Prozesse, hohe Stückzahlen und eine standardisierte Bauweise. Das soll auch für Eigenstromprojekte nutzbar gemacht werden. "Die bauliche Standardisierung ermöglicht es uns, die Investitionskosten inklusive Installation und Wartung zu reduzieren", sagt Florian Henle von Polarstern.

Im ersten Projekt von Baustolz und Polarstern werden bei einer Reihenhaussiedlung mit 14 Einheiten eine Dach- und Fassadenanlage mit 51,85 und 23,76 Kilowatt Peak (kWp) und ein Speicher mit 41,40 Kilowattstunde (kWh) installiert. Auch gibt es je Wohneinheit eine dezentrale Wärmepumpe, die ebenfalls mit Solarstrom versorgt wird. Damit wird ein Eigenverbrauch von rund 64 Prozent erreicht und die Stromkosten sinken um etwa 13 Prozent verglichen zum Grundversorgertarif.

Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit müssten die Betriebskosten mehr Beachtung erhalten, so Henle. Immobilienbesitzer und Bauherren erhalten Förderung für die nötige Anlagentechnik. Eine Standardisierung sei auch bei  Mieterstromprojekten notwendig. Das sei zwar ein Projektgeschäft, aber sein Unternehmen habe Prozesse definiert, welche die Abwicklung von Mieterstrom beschleunigen. Wenn bei  Gebäuden die technische Ausstattung und die Haushaltsstruktur ähnlich und die beteiligten Partner die gleichen sind, könne Mieterstrom fast schon als Standardprozess aufgesetzt werden. Das sei ein Vorteil, da gerade die Abstimmung zwischen den Schnittstellen und die unterschiedlichen technischen Herausforderungen einen starken Einfluss auf die reibungslose Umsetzung von Mieterstromprojekten hätten, so Henle weiter. Quelle: Polarstern / pgl

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Bundesrat will Mieten im Neubau deckeln

27. Oktober 2018 - 7:14

Die Mietpreisbremse gelte für neu geschaffenen Wohnraum gerade nicht, begründet der Bundesrat seine Prüfbitte. Die Begrenzung der abschreibungsfähigen Anschaffungs- und Herstellungskosten auf 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche allein reiche nicht aus, um neue Wohnungen im bezahlbaren Mietsegment zu schaffen. Denn in stark nachgefragten Wohngebieten würden selbst für Wohnungen mir nur durchschnittlicher Ausstattung Mieten verlangt, die sich Menschen mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen nicht leisten könnten.

Außerdem finden es die Länder problematisch, dass für die beabsichtigten Sonderabschreibungen die EU-Reglungen zu De-minimis Beihilfen gelten sollen. Hierdurch würden Wohnungsunternehmen weitgehend von der Sonderabschreibung ausgeschlossen und den Steuerpflichtigen ein erheblicher Bürokratieaufwand aufgebürdet. Tatsächlich sei es jedoch fraglich, ob die geplanten Sonderabschreibungen überhaupt als De-mininis Beihilfen zu behandeln sind. Dies solle im weiteren Gesetzgebungsverfahren geprüft werden.

Nach den Plänen der Bundesregierung zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums sollen private Investoren zusätzlich zu den bestehenden Abschreibungsmöglichkeiten über vier Jahre jeweils weitere fünf Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten einer neuen Mietwohnung bei der Steuer geltend machen können. Bauherren könnten dann in den ersten vier Jahren insgesamt 28 Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten einer neuen Mietwohnung abschreiben. Auflage für den Steuervorteil ist, dass die Wohnungen zehn Jahre vermietet werden. Darüber hinaus sollen auch Investitionen in bestehende Gebäude sollen von der Steuerbegünstigung umfasst sein. Allerdings nur dann, wenn sie zu neuem Wohnraum führen.

Vom Zentralen ImmobDieilien Ausschuss, dem Lobbyverband der Wohnungsunternehmen, kam Widerspruch gegen die Preisebremse. "Die avisierten 1,5 Millionen neuen Wohnungen wird es durch solche Maßnahmen niemals geben", sagt dessen Präsident Andreas Mattner. "Die Effekte, die sich durch eine Sonder-AfA zumindest teilweise eingestellt hätten, werden nun durch diesen unverhältnismäßigen Eingriff in den Wohnungsneubau wieder zunichtegemacht. Diese Vorschläge verunsichern Investoren und verschlechtern die Voraussetzungen für mehr Neubau. Dies ist ein klarer Rückschritt auf dem Weg hin zu bezahlbarem Wohnen und Bauen." pgl

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BIM kann Qualität am Bau erhöhen

26. Oktober 2018 - 7:53

Nach Meinung des Experten werden Planer, Baustoffhersteller und Bauherren durch BIM gleichermaßen profitieren. Ob Wandaufbau, Fundament oder Dachkonstruktion: Kennzeichen ist eine hohe Komplexität, die mit den verschiedenen Variationsmöglichkeiten einhergeht.

"Hersteller tun sich aktuell schwer, die Breite und die Vielschichtigkeit des Angebots zu kommunizieren. Zudem fehlt es aufseiten der Architekten und Planer an zusätzlichem Fach-Knowhow wie beispielsweise Bauphysik, um die ganze Palette an Kombinationsmöglichkeiten selbst konfigurieren zu können", sagt Uhl. Durchdachtes BIM ermögliche es Planern, entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Gebäudes die optimale Lösung und Systemvariante schnell und aufwandsoptimiert zu finden.

Damit wirke sich die digitale Planungsmethode auf die Bauqualität aus. Damit Planer und Architekten auf die Produkte, Lösungen und Systemvarianten der Baustoffindustrie zugreifen können, müssen Baustoffhersteller die Produktdaten ihres gesamten Produktportfolios so übersetzen und aufbereiten, dass sie in den CAD-Programmen der Planungsbüros effizient genutzt werden können. Das Problem: Diese Übersetzungsleistung setzt sauber gepflegte Produktdatenmanagementsysteme voraus, die nur sehr selten vorliegen.

"Baustoffproduzenten haben nur sehr widerwillig erste Schritte in Richtung Digitalisierung gemacht. Es mangelt weiterhin an einer grundlegenden Datenstruktur in Unternehmen und teilweise wird noch mit Excel gearbeitet. Meist agieren nur die großen Player im Markt mit führenden Produktdatensystemen wie SAP-Anwendungen, ERP-Lösungen oder dem für BIM wertvollen Produktinformationsmanagement PIM", sagt Uhl. Ihm zufolge müsse die Industrie es als Chance begreifen, durch BIM die Versäumnisse der vergangenen Jahre im Bereich der Datenstrukturierung zügig aufzuarbeiten. Quelle: Die Werkbank / pgl

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Recycling gewinnt Wertstoff Sand zurück

26. Oktober 2018 - 7:20

Sand wird in vielen Ländern dieser Erde knapp. Ein Grund dafür ist der Bauboom. Für neue Hotelanlagen, Einkaufszentren und Industrieparks werden Unmengen an Beton benötigt, der zum Großteil aus Sand und Kies besteht. Dubai etwa musste Sand aus Australien importieren, um den Wolkenkratzer Burj Khalifa zu bauen - der eigene Wüstensand eignete sich nicht dafür.

Selbst in Deutschland mit seinen vorhandenen Vorkommen an Kies und Sand sind Grenzen sichtbar, wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe vor kurzem veröffentlichte. Der weltweite jährliche Verbrauch an Sand und Kies liegt bei 40 Milliarden Tonnen.

In Deutschland fallen jährlich rund fünf Millionen an feinkörnigem Bauschutt aus dem Abriss von Bauwerken und Infrastruktur an. Bislang landet dieser auf Deponien oder wird im Straßenbau verwendet - hochwertige Verwertung findet nicht statt. Im Projekt "BauCycle" haben es sich daher die Fraunhofer-Institute für Bauphysik IBP, für Materialfluss und Logistik IML, für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB zur Aufgabe gemacht, den Bauschutt wieder aufzubereiten, aus dem mineralischen Gemisch einen nachhaltigen Wertstoff zu generieren und Anwendungsmöglichkeiten für den Hochbau aufzuzeigen.

Ziel ist es, Partikel mineralischer Bauabfälle wiederzuverwerten, die kleiner als zwei Millimeter sind. Im Projekt behandeln die Forscherinnen und Forscher die komplette Wertschöpfungskette - von der Entwicklung innovativer Sortierverfahren und hochwertiger Baustoffe bis hin zum Aufbau einer dynamischen Marktplattform, einer Rohstoffbörse.

"Bausand gibt es eben nicht wie Sand am Meer, in Europa sind beispielsweise Schweden und Frankreich vom Sandmangel betroffen", weiß Volker Thome, Projektleiter und Wissenschaftler am Fraunhofer IBP. "Bereitet man Bauschutt nach herkömmlichen Methoden auf, so wird dieser zerkleinert. Bestandteile, die kleiner als zwei Millimeter sind, werden ausgesiebt und landen auf der Deponie. Würde man den feinkörnigen Bauschutt recyceln, der aus den Hauptkomponenten Kalksandstein, Ziegel, Beton und geringen Anteilen Gips besteht, könnte man dem Sandmangel langfristig entgegenwirken", so der Forscher.

Im ersten Schritt muss der unterschiedlich zusammengesetzte Schutt sortiert werden, wobei vor allem die Gipspartikel selektiv getrennt werden, da sie ein entscheidendes Kriterium für die Wiederverwertbarkeit der Betonfraktion darstellen. Hierfür entwickelten die Forscher ein opto-pneumatisches Sortierverfahren für Feinfraktionen, das neben Farb- und Helligkeitserkennung auch chemische Unterschiede in den Partikeln wie sulfatisch oder silikatisch erkennt und nach diesen Kriterien trennen kann.

"Die Bestandteile werden vereinzelt und über ein Förderband transportiert. Eine Infrarotkamera mit speziellen Filtern erkennt die unterschiedlichen Feinfraktionen. Am Ende des Förderbands fallen die Partikel im freien Fall an Düsen vorbei, die die Hauptkomponenten mittels gezielter Luftdruckstöße in unterschiedliche Behälter schießen", beschreibt Thome das Optical Computing-Verfahren. Inzwischen ist es Thome und seinem Team gelungen, Partikel mit einer Größe von einem Millimeter voneinander zu unterscheiden. Mithilfe der Technologie lässt sich ein Durchsatz von 1,5 Tonnen pro Stunde erzielen.

Im Idealfall lassen sich vier reine Mischungen wiederverwerten und für die Herstellung von Porenbeton nutzen, einem leichten Baustoff mit guter Wärmedämmung. Dieser eignet sich für den Bau zweistöckiger Häuser, aber auch als Isoliermaterial in Innenräumen. Tests ergaben, dass Mischungen aus Beton und Kalksandstein ebenfalls wiederverwertbar sind und sich als sekundärer Rohstoff für die Produktion von Porenbeton mit konkurrenzfähigen Festigkeiten eignen. Beste Ergebnisse erzielten die Experten mit einem Mix aus 80 Prozent Kalksandstein und 20 Prozent Altbeton.

Ein weiteres Ergebnis des Projekts: Aus den Komponenten Ziegel und Altbeton lassen sich Geopolymere herstellen, ein zementfreier Baustoff mit betonähnlichen Eigenschaften was die Festigkeit und Säureresistenz anbelangt. Zudem zeichnen sich die Geopolymere durch eine sehr gute CO2-Bilanz aus. Quelle: Fraunhofer IBP /pgl 

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Neubaurate steigt nicht schnell genug

25. Oktober 2018 - 7:42

"Die aktuellen Baugenehmigungszahlen sind ein deutliches Zeichen: es besteht Handlungsbedarf. Zwar setzt sich der leichte Anstieg seit Beginn des Jahres fort. Allerdings ist schon jetzt absehbar, dass die Zahl von 375.000 genehmigten Wohnungen, die angesichts des Wohnungsmangels notwendig sind, bis Ende des Jahres nicht erreicht werden wird", sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD, und ergänzt: "Auf dem Wohngipfel vor vier Wochen wurden viele Maßnahmen beschlossen, die konkret Abhilfe schaffen können. Jetzt kommt es auf eine rasche, aber vor allem strukturierte Umsetzung an. Denn das Eckpunktepapier umfasst eine Fülle von Themen. Für die Beschleunigung des Wohnungsbaus haben nicht alle dieselbe Priorität."

Schick verweist dazu unter anderem auf die geplante Weiterentwicklung des mietrechtlichen Rahmens: "Die wohnungspolitische Diskussion konzentriert sich derzeit auf Themen, die in keinem erkennbaren Zusammenhang mit dem Wohnungsbau stehen. Der von der Regierung vorgelegte Entwurf eines Mietrechtsanpassungsgesetzes oder auch der Vorschlag, den Betrachtungszeitraum von Mietspiegeln von vier auf sechs Jahre auszuweiten, werden den Wohnungsbau nicht beschleunigen. Im Gegenteil sehen wir die Gefahr kontraproduktiver Effekte. Mindestens werden dringend für die Baubeschleunigung benötigte Ressourcen der Regierung blockiert. Im schlimmsten Fall könnten Bauherren von geplanten Mietwohnungsbauvorhaben Abstand nehmen, weil sie befürchten, auf den Baukosten sitzen zu bleiben."

Stattdessen plädiert Schick für einen strukturierten Umsetzungsplan. Die Wohnungsbaubeschleunigung dürfe nicht unter die Räder der Tages- und Parteipolitik geraten. "Das Eckpunktepapier sieht nur wenige konkrete Termine vor. An vielen Stellen gleicht es eher einem schönen Wunschzettel. Wir würden es daher sehr begrüßen, wenn die Regierung, als koordinierende Behörde der Wohnraumoffensive, einen verbindlichen, sachadäquaten Plan aufstellen würde. Denn eine Kurskorrektur beim Wohnungsbau ist nur langfristig möglich. Wir müssen sicherstellen, dass jetzt die richtigen Stellschrauben gedreht werden und nicht erst zum Ende der Legislaturperiode. Denn bis aus einem Vorschlag ein Gesetz wird und dieses dann seine Wirkung entfaltet, können Jahre vergehen", sagt Schick.

Eine besondere Rolle komme der neu eingesetzten Expertenkommission Baulandmobilisierung zu. Viele Maßnahmen des Wohngipfels werden in dieser Kommission unter Leitung von Staatssekretär Marco Wanderwitz zu behandeln sein, die ihre Arbeit bis zum Sommer 2019 beendet haben wird. Quelle: IVD / pgl

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Tiny Houses – "Guerillawohnen" auf der Mittelinsel

25. Oktober 2018 - 7:29

Die Idee für "Tiny Houses" -  die "winzigen Häuser" - stammt aus den USA. Im Juni gab es in Deutschland erstmals eine eigene Messe zum Thema. Einer der Aktivisten der Tiny-House-Bewegung ist Jahren Van Bo Le-Mentzel die Werbetrommel für solche auf einen 3,5-Tonnen-Anhänger montierten Holz-Mikrohäuser.

Der Aktivist und Architekt sieht in solchen Häuschen die Lösung für Wohn- und andere Probleme. Er selbst lebt in einem und organisiert Seminare fürs Selberbauen ("in zehn Tagen"). Je nach Ausstattung könnten, sagt Le-Mentzel, rund 10.000 Euro für einen solchen von Tischlern geleiteten Workshop und das Material ausreichen.

Mit einem Augenzwinkern sagt Le-Mentzel zu den etwa Zuhörern, die er ausnahmslos duzt: "Es kommen immer noch Sachen dazu: eine kleine Fußmatte, ein Rohr, eine Türklinke, ein zusätzliches Schloss. Die Deichsel geht kaputt. Und dann ist man schnell bei 50.000 Euro. Deswegen lieber gleich von vornherein 50.000 einkalkulieren, dann habt Ihr nicht so einen Schock." Es gibt auch fertige Tiny Houses, die ein großes Hamburger Handelsunternehmen ab 40.000 Euro anbietet, für einen Fincube des Designers Werner Aisslinger ist das fünffache fällig.

Ist das viel oder wenig? Mit herkömmlichen, fest installierten Fertighäusern ist das Konzept schwer vergleichbar; den Vergleich mit einem Bauwagen oder Campingbus lehnt wiederum der Architekt ab. Nach seiner Vorstellung soll man nicht einfach asketisch darin wohnen, sondern in der unteren Hausebene "einen gesellschaftlichen Auftrag ausüben", einen "Gemeinwohldienst" - er nennt Ärzte und Journalisten als Beispiele.

Ein Haus- und ein Gesellschaftskonzept

Le-Mentzel sagt: "Unsere Häuser sind so gemacht, dass zwei Personen sie parallel nutzen können: unten irgendwas Öffentliches, und oben ist es privat. Oben kann eine Person sich ausruhen. Deswegen haben unsere Tiny Häuser immer zwei Eingänge."

Je länger man ihm zuhört, desto klarer wird, dass es ihm nicht nur um ein minimalistisches Hauskonzept, sondern um ein utopisches Gesellschaftskonzept geht, und dass sich beides gegenseitig bedingen würde, um längerfristig und in größerem Maßstab zu funktionieren - was sein Anspruch ist. Denn ein Häuschen nach Le-Mentzels Vorstellung verträgt sich nicht mit der Bebauungsplanung, dem Meldewesen - kurz: dem herkömmlichen staatlichen Konzept eines Gebäudes in Deutschland und dem damit verbundenen geltenden Recht.

Einige Zuhörer fragen, wo man ein Tiny House hinstellen könne. Der Architekt: "Wenn Ihr ein Grundstück habt, habt Ihr eine Zufahrt. Da könnt Ihr auch ein Tiny House parken." Später traut sich jemand zu fragen, ob man da auch wohnen dürfe. Le-Mentzel spricht von einer "Grauzone". Bei Licht betrachtet ist es aber einfach so, dass hier ein Fahrzeug zum Auch-Wohn-Gebäude zweckentfremdet wird - was nur so lange gutgeht, wie gilt: "Wo kein Kläger, da kein Richter."

Das ist auch Van Bo Le-Mentzel bewusst. Sein Ausweg auf die Frage, ob man so zum Beispiel in einem Vorgarten wohnen dürfe: "Nein. Aber mach's einfach. Und sei nett zu Deinen Nachbarn, denn - wer will Dich verpfeifen. Lade die Nachbarn ein, sag: Wir kochen zusammen. Wenn Du das machst, wird er nicht die Polizei rufen." Und Le-Mentzel geht noch einen Schritt weiter. Später zeigt er auf die große Grünfläche zwischen den Richtungsfahrbahnen und sagt: "Bringt Eure Tiny Häuser hier auf den Mittelstreifen, und ich kümmere mich darum, dass Ihr da stehen könnt."

Man könnte Le-Mentzel, der ein großes schwedisches Möbelhaus als Sponsor und die Kulturstiftung des Bundes als Förderer mit sechsstelligen Beträgen für seine Ideen gewonnen hat, fast zutrauen, dass er so etwas schafft - jedenfalls in Berlin. Die Definition des Erfüllens eines "gesellschaftlichen Auftrags" als Voraussetzung für die Zuteilung von Niederlassungsberechtigungen ("türkiser Parkausweis") wäre er gleichfalls bereit zu übernehmen; auch das Zuteilen selbst.

Für andere, eher haustechnische Fragen hat der Architekt ebenfalls unkonventionelle Lösungen parat. Denn der Zehn-Zentimeter-Wandaufbau dämmt und speichert kaum Wärme. Von innen nach außen: eine Innenverkleidung aus einem Zentimeter Fichtenholz; eine Kunststoff-Folie als Dampfbremse; sechs Zentimeter Dämmung (meist Holzwolle); eine weitere Kunststoff-Folie als Windbremse; ein Zentimeter Zwischenraum; eine Aussenverkleidung aus einem Zentimeter Lärchenholz. "Wir haben auch schon welche mit Hanfwolle gedämmt. Es gibt auch Seegras. Gerade entwickeln wir ein Projekt mit Textilabfällen."

"In fünf Minuten ist es hier minus zehn Grad"

Die energetischen Eigenschaften im strengen Winter beschreibt Le-Mentzel im Musterhäuschen unverblümt so: "In fünf Minuten ist es hier minus zehn Grad." Man müsse also Tag und Nacht durchheizen. "Wir haben hier einen kleinen Heizlüfter oder Radiator, das reicht aus. Wir haben auch Häuser mit Gasheizung. Das ist aber gefährlich. Man muss die Tür auf lassen, die Heizung verbrennt den Sauerstoff."

Auf der Internetseite des Projekts ist außerdem die Rede von einem Holzofen, offenbar auch dieser ohne kontrollierte Be- und Entlüftung: "In kalten Wintern muss man mit Brennholz im Wert von 100 Euro/Monat rechnen. Der Feinstaub ist allerdings nicht zu unterschätzen (unbedingt Fenster leicht geöffnet lassen)."

Mehr Dämmung wäre nicht nur wegen einer solchen Dauerlüftung, sondern auch angesichts der beengten Platzverhältnisse (typische Innenmaße 2,20 Meter Breite, vier Meter Länge, 3,20 Meter Höhe, zwei über eine Leiter verbundene Ebenen) und des ungünstigen Außenfläche-Volumen-Verhältnisses wenig sinnvoll. Aber Le-Mentzel hat für so etwas wie das Passivhauskonzept ohnehin nur Spott übrig: "Die Wände dick und ganz viel Technik rein; und dann stellt man einen Hund rein. Dann heizt sich das Haus von alleine auf. Das sind so Phantasien von technoiden Leuten. Ich bin der Meinung: Wenn's friert, muss man heizen - oder man geht ins Museum."

Welcher Energiebedarf erfahrungsgemäß entsteht, kann der Architekt nicht beziffern. Allerdings lässt sich leicht ausrechnen, dass ein durchlaufender 2000-Watt-Heizlüfter bei zum Beispiel 200 Heiztagen und täglich 12 Stunden Anwesenheit 4800 Kilowattstunden Strom ziehen würde. Dabei ist ein regulärer Netzanschluss bei Le-Mentzel gar nicht vorgesehen - nicht fürs Heizen und auch sonst nicht.

Er setzt auf einen kleinen Akku, eine "Powerbank": "In der Stadt kommt Ihr immer an eine Steckdose ran, um zum Beispiel eine Powerbank aufzuladen. Ihr müsst eine Steckdose finden oder Freunde finden, die eine Steckdose haben. An die könnt Ihr Lampen anschließen, dann habt Ihr Licht. Was auch geht, sind kleinere Kühlschränke. Was nicht gehen würde, das wäre ein Laptop oder ein Wasserboiler. Da müsst Ihr auch Eure Freunde fragen." Ähnlich soll die Trinkwasserbeschaffung vor sich gehen: "Entweder es gibt einen Brunnen in der Nähe, oder Ihr geht zum Beispiel zu Starbucks." Auch an die Kanalisation ist ein Tiny House nicht angeschlossen. Die Notdurft landet in einem Eimer und später zum Beispiel "an Tankstellen oder in Dixie-Klos" oder auf einem "Komposthaufen" - so steht es jedenfalls auf der Internetseite. Von Alexander Morhart 

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Forschungsverbund Kosma nimmt seine Arbeit auf

24. Oktober 2018 - 7:24

In den kommenden dreieinhalb Jahren untersucht das IWU gemeinsam mit dem Ecolog-Institut Hannover, dem Fraunhofer ISI Karlsruhe und der Nassauischen Heimstätte Frankfurt am Main die Ursachen von Rebound-Effekten im Wärmebereich.

Hierfür soll eine zweistufige quantitative Mieterbefragung durchgeführt werden. In der Hauptbefragung steht das Wärmenutzungsverhalten und dessen Einflussgrößen in Haushalten mit unterschiedlichem sozio-kulturellen/-ökonomischen Hintergrund im Fokus. Die Befragungsergebnisse werden - soweit möglich - mit Verbrauchsdaten gespiegelt.

In der etwa 12 Monate später stattfindenden zweiten Befragung soll mit Hilfe eines experimentellen Vignettenansatzes getestet werden, welche Einflusskonstellationen die Anfälligkeit für Rebound-Effekte bestimmen und welche konkreten Maßnahmen für deren Eindämmung verhaltenswirksam sein dürften. Zusätzlich wird die Verteilung nutzerseitiger und technischer Anteile am (Mehr-)Verbrauch in ausgewählten Gebäuden demonstriert. Quelle: IWU / pgl

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Niedersachsen verleiht 500. Grüne Hausnummer

24. Oktober 2018 - 7:00

Die Auszeichnung können Eigentümer von Wohngebäuden erhalten, die ihre Häuser über den gesetzlich vorgeschriebenen Standard hinaus energiesparend saniert oder gebaut haben. Der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies zeigt sich erfreut über den Erfolg: "Dass wir in Niedersachsen schon die 500. Grüne Hausnummer vergeben können zeigt, dass klimafreundliches Bauen und Sanieren weiter attraktiv ist. Nicht nur mit Neubauten kann ein hohes energetisches Niveau erreicht werden, das zeigen die vielen guten Sanierungsbeispiele. Gerade beim Thema Heizen gibt es in deutschen Haushalten noch viele Möglichkeiten, Energie einzusparen - damit leisten die Bauherren einen großen Beitrag für den Klimaschutz."

Die Grüne Hausnummer wird von der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) jeweils gemeinsam mit örtlichen Partnern seit rund drei Jahren vergeben. Inzwischen gibt es die Auszeichnung in 18 Landkreisen und Städten. Das Weserbergland war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Familie Priesett aus Bad Münder hat sich bei ihrem örtlichen Ansprechpartner, der Klimaschutzagentur Weserbergland, mit ihrem besonders energieeffizienten Neubau aus dem Jahr 2017 beworben. Sie waren damit die 500. erfolgreichen Bewerber.

Das Haus der Priesetts wird mit einer Wärmepumpe beheizt, deren Stromversorgung zum größten Teil die eigene Solaranlage übernimmt. "Uns war es wichtig jetzt zu handeln und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", erklären die Priesetts ihre Motivation. "Darum wollten wir beim Bau des Hauses den höchsten KfW-Effizienzstandard "40 Plus" erreichen. Unser Haus erzeugt ungefähr dreimal so viel Energie wie wir verbrauchen. Strom ist unser einziger Energieträger, kein Gas, kein Öl, kein Schornstein. Dadurch, dass wir den übrigen Strom ins Netz einspeisen, haben wir quasi negative Energiekosten. So war dieses hocheffiziente Haus für uns in der Summe nicht teurer als wenn wir konventionell gebaut hätten. Und es macht Spaß darin zu wohnen," so das Ehepaar.

KEAN-Geschäftsführer Lothar Nolte über die Entwicklung der Grünen Hausnummer: "Seit Beginn der Kampagne waren wir immer wieder überwältigt von der guten Resonanz und der Begeisterung, mit der Hauseigentümer, die wirklich tolle Projekte umgesetzt haben, von ihren Erfahrungen berichten und damit andere motivieren. Wir sind zuversichtlich, dass im nächsten Jahr noch mehr Regionen in Niedersachsen dabei sein werden." Auch der Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland Tobias Timm freute sich über den guten Start der Aktion im Weserbergland und versprach: "Nächstes Jahr sind wir wieder dabei." Bis zur tausendsten Nummer wird es dann nicht mehr lange dauern, sind sich beide einig.

Drei herausragende Sanierung und ein Neubau werden jährlich noch einmal besonders geehrt. Die Jury berät sich dazu heute, Preisverleihung ist im November. Quelle: KEAN / pgl

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Bestandssanierung bringt mehr als härtere Neubau-EnEV

23. Oktober 2018 - 7:58

Halten Sie eine weitere Verschärfung der EnEV-Standards im Neubau  im Moment für sinnvoll?

Das ist eine spannende Frage. In manchen Fällen rechnet es sich, in anderen nicht. Immerhin werden 50 Prozent aller Neubauten mit einem hohen Effizienzstandard gegenwärtig über die KfW gefördert. Wenn man die EnEV verschärft, werden gleichzeitig die Hürden für eine Förderung höher. Deswegen bin ich hin- und hergerissen. Ich halte eine Beibehaltung derzeit für gut, weil das für den Moment etwas Ruhe in die Diskussion bringt. Außerdem ist die Relevanz einer etwas verschobenen Verschärfung überschaubar. Auf keinen Fall darf man aber Standards zurückschrauben.

Erstellt man bei einer Beibehaltung des derzeitigen Niveaus nicht künftig Neubauten auf einem zu schlechten Standard, wenn man Klimaneutralität will?

Ich habe mal versucht das zu überschlagen. Ich gehe dabei von einem Prozent Neubaurate aus, 50 Prozent werden ohnehin schon auf einen besseren Standard gefördert und einer Verschiebung der Verschärfung um drei Jahre. 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr ist die Differenz, die man mit einer Verschärfung einsparen würde. Damit haben wir einen Wirkmechanismus von 0,2 Prozent unseres gesamten Energieverbrauchs im Gebäudebereich, das ist in etwa die Größenordnung. Da ist es besser, die Energien darauf zu verwenden, wie man im Bestand etwas bewegt. Man kann damit leben, dass man über einige wenige Jahre beim jetzigen Niveau der Verordnung bleibt und über eine intensive Förderstrategie den Anteil noch über 50 Prozent ausweitet.

Wo sehen Sie Optionen im Bestand? Da ist ja wenig in Bewegung....

Das stimmt, wir kommen nicht so richtig voran. Im Bestand hinken wir bei der Gebäudehülle und bei der Anlagentechnik stark hinterher. Da hat man ganz andere Größenordnungen die man einsparen kann als im Neubau.

Werden die Themen Sanierung und Effizienz im Moment verdrängt durch die Debatte um Sektorkopplung?

Die GEEA-Gebäudestudie und die Dena-Leitstudie haben gezeigt, dass es nicht ein einzelnes Segment gibt, das uns im Gebäudebereich rettet. Wir brauchen ein Zusammenspiel aus einer verbesserten Gebäudehülle, einer guten effizienten Anlagentechnik mit erneuerbaren Energien. Wir müssen aber auch schauen, wie wir die Energieträger besser machen, zum Beispiel durch Power-to-X. Wir brauchen diese Dreifachstrategie. Ich sehe Chancen und Notwendigkeiten, dass im Bereich der Sektorkopplung etwas passiert, aber wir dürfen über so eine Diskussion die anderen Herausforderungen nicht aus den Augen verlieren. Das ist die Krux im Gebäudebereich: Wir müssen im Prinzip immer die Augen in alle Richtungen offenhalten und das Thema an vielen verschiedenen Stellen voranbringen.

Steuerliche Absetzbarkeit könnte doch noch kommen

Reichen im Moment die vorhandenen Maßnahmen aus, um die Sanierung stärker in den Fokus zu rücken?

Nein, da passiert zu wenig, die Maßnahmen reichen nicht. Ein Thema ist die steuerliche Absetzbarkeit. Das ist schlimm, wenn man das über Jahre diskutiert und es kommt nichts. Es ist wichtig, dass es eingeführt wird, wie es ja auch im Koalitionsvertrag steht. Das ist ein Instrument, das auf das Segment der privaten Eigentümer abzielt und eine sehr starke Wirkung entfalten kann.

Haben Sie wirklich noch Hoffnung, dass das kommt?

Natürlich habe ich Hoffnung, und wir versuchen auch weiter Impulse zu setzen. Ich weiß, dass es im politischen Raum dafür glühende Verfechter gibt.

Gibt es konkrete Hinweise von politischen Akteuren die sagen, das wuppen wir noch?

Es gibt eine ganze Reihe von Akteuren, die das noch nicht begraben haben und es gibt hinter den Kulissen ein politisches Ringen darum. Das Thema ist nicht tot.

Da bin ich ja mal gespannt. Hat denn der Wohnraumgipfel Impulse gebracht, dort hat die Effizienz ja keine große Rolle gespielt?

Der Wohnraumgipfel war ein sehr neubauorientierter Gipfel. Der Gebäudebestand war nicht im Fokus. Die Dena konnte an dem Gipfel teilnehmen und hat auch Themen wie Bestandssanierung, die steuerliche Absetzbarkeit und Lösungen in Quartieren angesprochen. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht ausschließlich auf den Neubau konzentrieren.

Müsste es nicht eigentlich einen Sanierungsgipfel geben?

Das wäre sicher eine super Idee. Ein Gipfel der sich damit beschäftigt, wie wir den Gebäudebestand auf die Spur kriegen, dass die Klimaziele erreicht werden.

Gebäudekommission muss schnell handeln

Diskutiert wird in diesem Zusammenhang über eine Gebäudekommission auf Bundesebene. Ist das eine Idee, die Sie für sinnvoll halten?

Das kommt auf den Auftrag und das Ergebnis an. Ich kann mir vorstellen, dass man eine Gebäudekommission so strukturieren kann, dass sie eine Wirkung entfaltet. Dazu gehört aber vor allem Tempo. Sie muss bald kommen. Im Moment wird sie immer mal wieder angerissen als Thema, aber wann und in welcher Form sie kommt, weiß noch niemand. Es ist aber auch niemand geholfen mit einer Kommission, die irgendwann 2019 tagt und dann 2020 oder 2021 einen Bericht vorlegt. Das ist zu langsam.

Sie haben an angesprochen, dass sich bei der Gebäudesanierung weniger tut als noch vor einigen Jahren. Hängt das auch mit der erneuten Umorganisierung der Ressorts und der Einordnung des Baubereichs ins Innenministerium zusammen?

Ich weiß nicht, ob eine solche Umstrukturierung unmittelbar Auswirkungen auf den Sanierungsmarkt hat. Bei den Eigentümern nimmt das niemand wahr. Die Wirkung des etablierten CO2-Gebäudesanierungsprogramm von KfW und BMWi ist da viel wichtiger. Und um mehr Schwung reinzubringen, wären eine Sanierungskampagne, eine Energieberatungsoffensive oder eine flächendeckende Kommunikation zum individuellen Sanierungsfahrplan richtig gute Instrumente, die etwas bewegen könnten.

Sanierung soll in den Fokus der gesellschaftlichen Debatte

Aber dass diese Kernthemen nicht adressiert werden, hängt doch damit zusammen, dass es im Moment im Bundesinnenministerium keinen Fokus gibt auf das Thema Bauen im Bestand gibt...

Das Thema Bestandssanierung in der Energiewende ist in der kompletten gesellschaftlichen Debatte leider in den Hintergrund gerückt. Wir müssen erreichen, dass das wieder mehr in den Fokus rückt und wir wieder mehr Druck auf den Kessel bekommen. Dann wird es wieder leichter, Maßnahmen zu verabschieden.

Sie meinen, es fehlt Druck von unten, nicht von oben?

Es ist beides und bedingt sich gegenseitig. Wenn die Gesellschaft über Klimawandel und Energiewende diskutiert, agiert die Politik. Wenn die Politik entsprechende Weichen stellt, gibt es bei den Eigentümern Nachfrage. Eine politische Handlungsmöglichkeit wäre, eine große Energieberatungsoffensive zu machen - das könnten die beteiligten Ministerien auch gemeinsam beschließen. Das wäre eine richtig innovativer Ansatz.

Entscheidende Weichenstellung soll das Gebäudeenergiegesetz bringen. Wie ist denn da der aktuelle Stand?

Meines Wissens ist es noch in der Ressortabstimmung zwischen den Ministerien. Die großen Pflöcke sind wohl abgestimmt, es ist aber noch eine Menge "Kleinkram" zu klären.

Im Gebäudeenergiegesetz könnte es auch eine Umstellung des Bilanzierungsverfahrens auf CO2 geben. Was halten Sie davon?

Wir haben jetzt schon die Diskussion, dass die komplette Bilanzierung sehr komplex und gleichzeitig bei vielen Energieberatern aber ein eingeführtes Verfahren ist. Daher bin ich skeptisch, wenn man das kurzfristig über den Haufen wirft. Wenn man das jetzige Verfahren beibehält und CO2 zusätzlich ausweist, ist das sicher eine gute Idee. Ich bin insgesamt nicht überzeugt davon, dass beim Gebäudeeigentümer CO2 vorstellbarer oder greifbarer ist, als Primärenergieverbrauch oder Endenergieverbrauch. Sich ein Kilo CO2 haptisch vorzustellen, ist ja auch nicht einfach. Dass man perspektivisch CO2 in den Fokus nimmt und im Kontext der Vereinfachung einer Bilanzierung als Bemessungsgröße nimmt, kann ich mir hingegen schon vorstellen. Aber da muss man sich die Verfahren genauer anschauen und weiterentwickeln, vielleicht kann es dann ja gelingen, einfacher zu werden.

Was halten Sie davon, die Bilanzierung auf CO2-Basis optional zu ermöglichen?

Als Option ist das in Ordnung, aber eine generelle Umstellung halte ich nicht für gut. Um Erfahrungen zu sammeln kann die Option aber eine gute Möglichkeit sein.

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Ausbauhaus kann Kostenfalle für Bauherren sein

23. Oktober 2018 - 7:27

"Ein Ausbauhaus - gleich ob Fertig- oder Massivhaus - ist ein Haus, bei dem der Hausanbieter die Bauleistungen zum Teil extrem reduziert hat", erläutert Marc Ellinger, Sachverständiger und Leiter des VPB-Büros Freiburg-Südbaden. "Einige Anbieter liefern sogar nur die Planung und das Material. Die Bauherren müssen das Haus dann wie ein hochkomplexes 3-D-Puzzle zusammenfügen." Aber auch sonst wird im Regelfall nur die statische Konstruktion mit einem Wärmedämmverbundsystem als Fassade ausgeführt

Steht die Hülle, kann der Ausbau beginnen. Je nachdem, welche Ausbauvariante die Bauherren wählen, müssen sie den gesamten Innenausbau oder Teile davon in Eigenregie übernehmen. Manche Hausanbieter bieten Materialpakete an, die dann auf die Baustelle geliefert werden. "Achtung", warnt Marc Ellinger: "Auch wenn ein gewisser Mehrverbrauch eingerechnet ist, lassen die gelieferten Materialmengen keine Fehlversuche zu!"

Das Ausbaumaterial wird oft auch nur bis zur Baustelle geliefert. Für Entladung, Transport ins Haus, Lagerung und Abfallentsorgung müssen die Bauherren selbst sorgen. "Fühlen sie sich den technischen Herausforderungen einzelner Gewerke nicht gewachsen, können sie ja - so die Theorie und das Verkaufsargument - Fachfirmen mit der Leistung beauftragen", erklärt der Sachverständige. Abgesehen davon, dass es bei der angespannten Lage am Markt schwierig ist, ein erfahrenes Handwerksunternehmen zu finden, das einzelne Ausbauarbeiten in absehbarer Zeit übernehmen kann, haben nach VPB-Erfahrung viele Bauherren keine klare Vorstellung davon, was mit dem Ausbauhaus genau auf sie zukommt.

Sachverständiger Ellinger erklärt ein wesentliches Problem: "Beim Kauf eines Ausbauhauses beraten Vertriebsmitarbeiter der Fertighausfirma die Bauherren. Ihr Interesse ist natürlich der Verkauf des Hauses. Deshalb neigen sie dazu, den Bauherren die Ausbaupakete schmackhaft zu machen. Da heißt es dann auch schon einmal, mit einer bestimmten Konstellation an Ausbaupaketen sei das Haus schon "fast fertig". Auf der Baustelle sieht das oft anders aus", kritisiert der Experte, denn welcher Bauherr ahne schon, dass sich hinter einem Ausbaupaket Sanitär, das als "fast fertig" angepriesen werde, tatsächlich nur eine neben den Anschlussstellen abgestellte, nicht montierte und angeschlossene Bade- und Duschwanne verberge?

Der VPB-Experte empfiehlt deshalb: "Bauherren sollten die Aussagen von Vertriebsmitarbeitern beim Verkaufsgespräch ganz genau hinterfragen." Das gilt auch für die Frage, wer eigentlich die Arbeiten auf der Baustelle abstimmt. Während einige Ausbauhausanbieter die Steuerung der Bauabläufe der Ausbaupakete koordinieren, überlassen andere das komplett den Bauherren. "Aussagen zur Koordination durch den Hausanbieter verstecken sich oft in kryptisch formulierten Texten", weiß VPB-Vertrauensanwalt Holger Freitag. "Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, schon in der Vorvertragsphase herauszufinden, welche Leistungen der Anbieter nicht übernimmt."

Private Bauherren können als Baulaien aber nicht wissen, über welche Arbeiten sich die Baubeschreibung ausschweigt. "Beim Ausbauhaus haben die Bauherren oft gar kein Recht auf eine umfassende Bau- und Leistungsbeschreibung", erläutert Holger Freitag. "Denn sobald mehrere Gewerke beauftragt werden müssen, um das Haus fertigzustellen, handelt es sich nicht um einen Verbraucherbauvertrag. In solchen Fällen gehen auch weitere zwingende Verbraucherschutzrechte verloren, wie etwa das Recht auf die Herausgabe der Bauunterlagen oder darauf, als letzte Rate mindestens noch zehn Prozent des Geldes zu zahlen, um bei Mängeln vorher überhaupt noch ein Druckmittel in der Hand zu behalten."

Hinzu kommen nämlich noch weitere Probleme: Manche Gewerke, wie etwa Elektroarbeiten, dürfen Bauherren meist gar nicht selbst ausführen. Außerdem schreibt die Landesbauordnung einen Bauleiter vor. Wer übernimmt diese Aufgabe, wenn es die Baufirma nicht macht? Des Weiteren muss, sobald zwei oder mehr Firmen gleichzeitig am Bau arbeiten, ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator bestellt und - meist von den Bauherren - bezahlt werden. Ganz zu schweigen von der Unfall- und Bauhelferversicherung, die Bauherren für sich und freiwillige Mitstreiter abschließen müssen.

Falls ein Ausbauhausanbieter nur bestimmte Leistungsteile übernimmt, muss im Vorfeld geklärt werden, wer welche Arbeiten an den Schnittstellen erbringt - Bauherren oder Ausbaufirma. Sonst ist später Ärger programmiert, weil jeder meint, bestimmte Arbeiten müsse der jeweils andere ausführen. Ärger gibt es aber ohnehin dann, wenn Mängel auftauchen, bei denen unklar ist, wer sie verursacht hat. Quelle: VBP / pgl

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Vier Landesenergieagenturen bündeln Energiemanagement

22. Oktober 2018 - 8:19

Wie Einsparpotenziale in den kommunalen Liegenschaften künftig erschlossen werden können, haben Landesenergieagenturen aus vier Bundesländern vorgestellt. Die bundesweit bislang einmalige Kooperation ist ein erster Schritt hin zu einem bundeseinheitlichen Qualitätsstandard für kommunales Energiemanagement.

Beteiligt an dem Projekt sind das Kompetenzzentrum Energiemanagement der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, die Sächsische Energieagentur, die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt und die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur. Kern ist ein kostenfreies Online-Werkzeug mit dem Namen "Kom.EMS" (Kommunales Energiemanagement-System). Das Tool bietet Kommunen die Möglichkeit, ihr Energiemanagement anhand transparenter Kriterien zu bewerten und zu optimieren. Es steht Kommunen aus den beteiligten Bundesländern kostenfrei zur Verfügung.

Ziel des Projektes ist es, von den Erfahrungen anderer Länder zu lernen und die Struktur für ein effizientes Energiemanagement zu erarbeiten. In die Entwicklung sind die langjährigen Praxiserfahrungen der vier Landesenergieagenturen eingeflossen. Sie haben zahlreiche Kommunen bei der Einführung eines Energiemanagements begleitet.

"Das gemeinsame Vorhaben ist die erste Kooperation dieser Art zwischen Landesenergieagenturen und ein zentrales Element für einen einheitlichen Qualitätsstandard im kommunalen Energiemanagement in Deutschland", sagt Claus Greiser, Leiter des Kompetenzzentrums Energiemanagement der KEA. Die bundesländerübergreifende Zusammenarbeit der Landesenergieagenturen könnte Vorbild für andere Bundesländer werden und auch eine Blaupause für weitere Gemeinschaftsprojekte sein.

"Mit dem Online-Werkzeug Kom.EMS erhalten kommunale Verwaltungen eine professionelle, praktisch anwendbare und kostenfreie Hilfestellung bei der Einführung oder Optimierung eines Energiemanagements", erklärt Frank Kuhlmey, Projektleiter Kommunales Energiemanagement der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur. "Das Werkzeug begleitet Kommunen von Beginn an und bezieht alle für das Energiemanagement relevanten Verwaltungsebenen und Instrumente mit ein, um dauerhaft Energie zu sparen."

Mit Checklisten und einem digitalen Leitfaden bietet es ein kompaktes Informationspaket für den Aufbau des Energiemanagements. So schafft die Online-Plattform Strukturen, wenn Zuständigkeiten, etwa für einen energiesparenden Heizungsbetrieb, nicht klar geregelt sind. Ein Wissensportal mit konkreten Arbeitshilfen wie Muster-Beschlussvorlagen oder einem Rechentool helfen zudem bei der weiteren Umsetzung. Für die Politik interessant: Mit dem Tool lässt sich auch die Wirksamkeit von Förderprogrammen des Bundes oder der Länder prüfen. Dazu reichen ein Blick auf die Einsparerfolge der teilnehmenden Verwaltungen und der Vergleich mit den geflossenen Fördergeldern.

Un Baden-Württemberg können sich Kommunen außerdem in einer Pilotphase bewerben. Ziel ist die Basiszertifizierung bis Ende 2019 und die Auszeichnung im Rahmen des Kommunalen Klimaschutzkongresses im Mai 2019. Außerdem gibt es eine kostenfreie Einführungsschulung für Kom.EMS, ein kostenfreies Prozess-Coaching (5-10 AT) durch das Kompetenzzentrum Energiemanagement und ein Zertifikat. Quelle: Kom.ems / pgl

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Eigenversorgung mit Strom nimmt bis 2023 leicht zu

21. Oktober 2018 - 8:30

In der Studie "Mittelfristprognose zur Deutschland-weiten Stromabgabe an Letztverbraucher für die Kalenderjahre 2019 bis 2023" ermittelte das ISI, wieviel Strom von den Energieversorgern geliefert und von den sogenannten Letztverbrauchern benötigt wird. Diese Letztverbraucher teilen sich auf in Eigenversorger, stromkostenintensive Unternehmen und sonstige Verbraucher. Auf den von ihnen verbrauchten Strom werden die Kosten für die Refinanzierung der erneuerbaren Energien umgelegt. Diese Umlagezahlungen sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt.

Die Analysen ergaben einen rückläufigen Nettostrombedarf – dieser sinkt zwischen 2017 und 2019 unter anderem durch erhöhte Effizienz um 1,8 Terawattstunden (TWh). Anna-Lena Klingler, Projektleiterin am Fraunhofer ISI, nennt weitere Erkenntnisse der Studie: "Für 2019 prognostizieren wir einen leichten Anstieg der Eigenversorgung auf etwa 67 TWh, also um etwa 1,4 Prozent gegenüber 2017. Dieser Anstieg resultiert vor allem aus der Installation von Photovoltaikanlagen in privaten Haushalten. Die Eigenversorgung durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bleibt aufgrund der komplexen Gesetzgebung und der vergleichsweise geringen Förderung relativ konstant. Allerdings werden Bestandsanlagen zunehmend modernisiert und ersetzt: Im Jahr 2019 wird für 3,4 TWh des selbst erzeugten Stroms eine anteilige Umlage entrichtet, davon entfallen 2,5 TWh auf Strom aus KWK-Anlangen."

Das Fraunhofer ISI hat für seine Studie nicht nur den EEG-umlagepflichtigen Letztverbrauch analysiert, sondern auch die damit einhergehenden Zahlungsströme abgeschätzt. Die EEG-Umlage deckt die Differenz zwischen den Vergütungen für den aus erneuerbaren Quellen erzeugten Strom und den geringeren Erlösen durch den Verkauf des EEG-finanzierten Stroms an der Börse.

Die Umlage wird vor allem von den nicht-privilegierten Stromendverbrauchern getragen. Welche Stromkunden eine begrenzte EEG-Umlage zahlen müssen, ist in der Besonderen Ausgleichsregelung (BesAR) und in den Regelungen zur dezentralen Eigenversorgung festgelegt. Vor allem stromkostenintensive Unternehmen zahlen nur eine reduzierte EEG-Umlage. Dieser privilegierte Letztverbrauch beläuft sich laut Analysen des Fraunhofer ISI im kommenden Jahr auf 114 TWh. Der nicht-privilegierte Letztverbrauch, für den die EEG-Umlage in voller Höhe zu entrichten ist, beträgt im kommenden Jahr voraussichtlich 344 TWh - eine Senkung um 2,8 TWh.

Anna-Lena Klingler erklärt diesen Rückgang mit einer Kombination aus sinkendem Strombedarf, steigender Eigenversorgung und relativ konstanter BesAR-Strommenge. Das Fraunhofer ISI hat seine Letztverbrauchs-Prognose differenziert nach den verschiedenen Privilegierungskategorien durchgeführt, um eine adäquate Berücksichtigung der unterschiedlich hohen EEG-Umlagesätze vornehmen zu können. Die Umlagezahlungen der Letztverbraucher (privilegiert und nicht-privilegiert) tragen zur Finanzierung der erneuerbaren Energien bei. Die Finanzierung verteilt sich etwa gleichmäßig auf die Nachfragesektoren Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sowie Industrie. Quelle: Fraunhofer ISI / pgl

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Richtlinie definiert Vorgehen bei Sanierung mit Asbest

19. Oktober 2018 - 7:30

Ein Großteil der heutzutage anfallenden Bau- und Abbruchabfälle wird recycelt. So sinnvoll diese Vorgehensweise ist, es muss dabei mit großer Sorgfalt vorgegangen werden: Bei vielen Gebäuden der Baujahre bis 1995 liegt eine Belastung mit Asbest oder krebserregenden künstlichen Mineralfasern (KMF) vor.

Die neue Richtlinie VDI 3876 legt die Vorgehensweise zur Aufbereitung von Proben aus Bau- und Abbruchabfällen sowie daraus gewonnenen Recyclingmaterialien fest, wenn diese qualitativ auf Asbesthaltigkeit untersucht werden sollen. Weiterhin legt sie ein quantitatives Verfahren zur Bestimmung des Asbestgehalts in den Proben fest.

Asbest findet sich beispielsweise in Bedachungen, Fassadenplatten, Isolierungen, Klebern, Fußbodenbelägen, Dichtungen, Leichtbauplatten und Rohren. Ein nicht fachgerechter Umgang mit diesen Bau- und Abbruchabfällen kann eine Freisetzung der schädlichen Stoffe bewirken. Eine vorhergehende Untersuchung der zu recycelnden Materialien ist daher sinnvoll. Die Untersuchung auf Asbest und krebserregende künstliche Mineralfasern ist auch bei einer geplanten Entsorgung des Abbruchmaterials notwendig.

In der neuen Richtlinie VDI 3876 werden Hinweise gegeben zur Aufbereitung von Proben aus Bau- und Abbruchabfällen sowie daraus gewonnenen Recyclingmaterialien für die nachfolgende Analyse auf Asbest. Auch ein quantitatives Verfahren zur Bestimmung des Asbestgehalts in den Proben ist Teil dieser Richtlinie. Sie findet Anwendung bei Proben, die entsprechend DIN 19698 oder LAGA PN 98 genommen wurden. Die in dieser Richtlinie dargestellten Verfahren zielen vornehmlich auf die Prüfung der Asbesthaltigkeit ab. Dieselben Methoden können aber auch zum Auffinden von künstlichen Mineralfasern herangezogen werden. Die Richtlinie erläutert die Grundlagen der Untersuchung und deren Verfahrensablauf. Geräte für die Auswertung behandelt VDI 3866 Blatt 5 eingehend. Quelle: VDI / pgl

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In NRW sind 1,33 Millionen Heizkessel zu alt

19. Oktober 2018 - 7:28

Chancen zur Vermeidung von 6,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verorten die Verbraucherschützer in den Untergeschossen der Eigenheime, wenn flächendeckend Brennwerttechnik eingeführt und Öl- auf Holzpelletkessel umgerüstet würden. Das würde die Emissionen der betroffenen Gebäude beinahe halbieren und in vielen Fällen finanzielle Vorteile bringen.

In ihrer aktuellen Aktion "Besser heizen" ruft die Verbraucherzentrale deshalb alle Eigenheimbesitzer auf, die eigene Heizung unter die Lupe zu nehmen. NRW-Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser besuchte zum Start der Herbstaktion einen Verbraucherhaushalt in Siegburg, um dort dem Energieberater bei seiner täglichen Arbeit über die Schulter zu blicken. "Dieser Weckruf kommt genau zur richtigen Jahreszeit. Angesichts der steigenden Heizkosten dieses Jahr ist es umso wichtiger, das Heizsystem im eigenen Keller auf den Prüfstand zu stellen und Einsparpotenziale gezielt aufzudecken und zu nutzen. Allein durch den konsequenten Austausch veralteter Heizkessel können Eigenheimbesitzerinnen und Eigenheimbesitzer in NRW rund 27 Prozent der CO2-Emissionen der Wohngebäudeheizung sparen – in der Mehrzahl der Fälle sogar ohne Systemwechsel", sagte Heinen-Esser.

"Wichtig ist, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher rechtzeitig mit ihrer Heizung beschäftigen. Das bedeutet: nicht erst dann, wenn die Wohnung kalt bleibt, weil die Anlage defekt ist", betonte Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale NRW. Zum einen werde für die neue Heizung sonst in Zeiten voller Auftragsbücher oft ein Expresszuschlag fällig. Zum anderen bleibe unter Zeitdruck zu wenig Ruhe für die Auswahl des richtigen Systems. Öl und Gas seien schließlich nicht alternativlos.

"Für manche Verbraucherinnen und Verbraucher ist der Umstieg auf erneuerbare Energien – auf Wärmepumpen etwa oder Holzpellets und Solarwärme – genau das Richtige. Das spart natürlich am meisten CO2." Doch nicht für alle Haushalte sei dieser Schritt machbar oder die optimale Lösung. Entscheidend sei deshalb die rechtzeitige Information über technische Möglichkeiten und Fördermittel von Land und Bund.

Auch mit dem einfachsten Schritt von alten Öl- und Gasheizwertkesseln auf Brennwerttechnik sinkt der Energieverbrauch laut den Berechnungen der Verbraucherzentrale NRW aber schon um etwa ein Viertel. "Bereits dieser finanziell lohnende Minimalschritt allein könnte, konsequent umgesetzt, 2,7 Millionen Tonnen CO2 einsparen - rund elf Prozent aller CO2-Emissionen in der Wohngebäudebeheizung in NRW", betonte Sieverding. Quelle: VZ NRW / pgl

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Knauf macht Zugriff auf BIM-Daten einfacher

18. Oktober 2018 - 7:45

Building Information Modeling (BIM) definiert einen Standard, um über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks alle relevanten Informationen zu jedem Zeitpunkt aktuell und digital verfügbar zu machen. Alle Projektbeteiligten können so programm- und disziplinübergreifend zusammenarbeiten. Plug-ins erleichtern die Integration der BIM-Daten in bereits genutzte CAD-Software.

Ab sofort können Architekten, die mit einem dieser beiden Marktführer im CAD-Bereich arbeiten, die Knauf-Erweiterungen auf der Website des Herstellers downloaden, in ihre CAD-Software installieren und sofort die zahlreichen Mehrwerte nutzen.

Damit bietet das Unternehmen die schnelle, anforderungsorientierte Auswahl aus über 1100 Wand- und Deckensystemen direkt aus dem jeweiligen CAD-System heraus an. Die Systeme werden gemeinsam mit den entsprechenden Knauf-Produkten und deren kompletten Attributen und Eigenschaften mit wenigen Mausklicks direkt in die BIM-Software übertragen. Dann kann der CAD-Planer die übertragenen Wand- und Deckensysteme direkt an seine erforderlichen Grundriss- beziehungsweise 3D-Gegebenheiten anpassen.

Sämtliche Produktinformationen, inklusive deren Eigenschaften, werden hierbei im Hintergrund in der 2D- und 3D-Planung mitgeführt. Darüber hinaus besteht in jeder Planungsphase die Möglichkeit, die aktuellen Mengen der verwendeten Systeme und Produkte berechnen zu lassen. Die erzeugten Stücklisten zeigten sämtliche in den Systemen benötigten Produkte an. Somit werden zum ersten Mal direkt im CAD-System auch die in der Planung verwendeten Zusatzprodukte wie Profile, Klammern, Schrauben oder Spachtelmassen greifbar.

Durch dieses neue Maß an Transparenz in den Mengen und Massen können weitreichende neue BIM-Arbeitsschritte wie zum Beispiel die Übertragung der Stücklisten an weitere Programme im Kalkulations- und Ausschreibungsbereich oder die einfach vergleichbare Angebotseinholung bei Verarbeitern ausgeführt werden. Ein Export der berechneten Verbräuche als Excel-Sheet oder PDF ist jederzeit möglich.

Durch die direkte Anbindung der BIM-Plugins an das interne Produktdatenmanagement ist die Aktualität der Daten gewährleistet. Ändern sich Attribute oder Eigenschaften von Systemen, werden diese aktualisiert. Der Planer wird informiert. Ob allerdings der jeweilige Planungsstand eine Aktualisierung notwendig macht oder nicht, entscheidet weiterhin der Planer selbst. Somit ist maximale Planungsunterstützung bei gleichzeitig höchster Transparenz garantiert. Quelle: Knauf / pgl

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Höherer Ölpreis macht Sanierungen attraktiver

18. Oktober 2018 - 7:10

Der aktuelle Heizspiegel für Deutschland, der von co2online in Kooperation mit dem Deutschen Mieterbund im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt wird, zeigt deutlich: Wichtigster Faktor für die Heizkosten in einem Gebäude ist sein Sanierungsstand. "In einem energetisch schlechteren Haus sind die Heizkosten im Schnitt doppelt so hoch wie in einem energetisch besseren Haus", sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. Während in energetisch guten Häusern 520 Euro gezahlt wurden, mussten Bewohner von energetisch schlechteren Gebäuden 1.110 Euro zahlen. 2016 lag die Spanne zwischen 550 und 1.200 Euro.

Dennoch entschieden sich in den vergangenen Jahren viele Hausbesitzer gegen eine energetische Sanierung, weil sich der Aufwand aus ihrer Sicht angesichts der niedrigen Energiepreise nicht rechnete. Das könnte sich nun ändern. "Wer jetzt in die Dämmung seines Hauses investiert, handelt klug. Denn je teurer die Energie ist, desto schneller rechnet sich die Maßnahme", rät die Verbraucherzentrale Saarland, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass man die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung nie allgemein beantworten kann. Das hänge von den Rahmenbedingungen ab, so Energieberater Reinhard Schneeweiß. Klar sei aber, dass die künftigen Einsparungen umso höher sind, je höher die Preissteigerungen bei den Energieträgern sind.

Dazu bringt die Verbraucherzentrale Saarland ein Beispiel: Danach kostet die Dämmung einer Hauswand aus den 60er Jahren umgerechnet 150 Euro pro Quadratmeter. Bei einem Ölpreis von 2017 kann man 5,30 Euro pro Quadratmeter und Jahr an Energiekosten sparen. Bleibt der Ölpreis über die nächsten 30 Jahre auf diesem Niveau, sind die Kosten für die Dämmung in 28 Jahren wieder drin. "Geht man jedoch von der seit den 70er Jahren durchschnittlichen jährlichen Ölpreissteigerung von fünf Prozent aus, sieht die Rechnung ganz anders aus", so Schneeweiß. Dann habe sich schon nach 18 Jahren die Dämmung bezahlt gemacht. Und nach 30 Jahren ergebe sich ein Gewinn von 200 Euro pro Quadratmeter.

Aktuell liegt der Ölpreis für die Nordseesorte Brent auf dem höchsten Niveau seit vier Jahren. Zu Beginn der Woche überschritt er dem Handelsblatt zufolge die Marke von 85 Dollar pro Barrel und auch die Preise für die US-Sorte WTI zogen deutlich an. Zurückzuführen sind die aktuellen Steigerungen in erster Linie auf die US-Sanktionen gegen den Irak, die erst am 4. November vollständig umgesetzt werden sollen. Ein baldiges Ende des Preishöhenfluges ist daher nicht in Sicht.

Im vergangenen Jahr zahlten die Bewohner von Wohnungen mit einer Heizöl-Zentralheizung im Schnitt 750 Euro Heizkosten, nach 665 Euro 2016. In einer Wohnung mit Erdgas-Zentralheizung sanken die durchschnittlichen Kosten zwar auf 790 Euro (minus 20 Euro) und bei Fernwärme gingen sie um 35 Euro auf 895 Euro zurück. Unter dem Strich war das Heizen mit Heizöl aber nach wie vor günstiger. 2018 könnte es diesen Kostenvorteil verlieren, denn während die Bewohner von ölbeheizten Häusern der Heizspiegel-Prognose zufolge mit acht Prozent Mehrkosten rechnen müssen, dürften die Kosten in Häusern mit Erdgas- oder Fernwärmeheizung um drei Prozent sinken.

Dabei gehen co2online und Deutscher Mieterbund davon aus, dass die mittleren Energiepreise bei Erdgas und Fernwärme um 1,5 Prozent sinken, bei Heizöl jedoch um 13 Prozent steigen. Gleichzeitig werden die Temperaturen in der Heizperiode 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent höher sein, was den Heizkostenanstieg bei ölbeheizten Wohnungen dämpft und die Einsparungen bei den anderen Energieträgern erhöht.

Zentraler Energieträger in Deutschland ist nach Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) Erdgas. Rund 14,3 Millionen Gas-Kessel, davon mit 5,8 Millionen Stück deutlich unter 50 Prozent moderne, hocheffiziente Gasbrennwertkessel, dienten 2017 hierzulande als zentrale Wärmeerzeuger.  Erdöl rangiert mit 5,7 Millionen Kesseln auf Platz zwei, wobei fünf Millionen Geräte veraltete Öl-Kessel ohne Brennwert-Technik sind. In jüngeren Gebäuden kommen häufig Wärmepumpen zum Einsatz, ihre Zahl betrug im vergangenen Jahr eine Million Stück. Hinzu kamen 0,8 Million Biomasse-Kessel. von Silke Thole

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Dämmung war im Grenfell Tower nicht entscheidend

17. Oktober 2018 - 8:24

In London arbeitet seit einem Jahr die Kommission zur Aufklärung des Brandes am Grenfell Tower. Die "Deutsche Feuerwehrzeitung" des Deutschen Feuerwehrverbandes veröffentlichte einen Artikel von Professor Michael Reick, der die vorläufigen Ergebnisse der noch laufenden ersten Untersuchungsphase zusammenfasst.

Die Kommission analysierte Ursache und Verlauf des Brandes, wertete hierzu 400.000 Dokumente aus, befragte Experten und Feuerwehrleute und sichtete Fotos und Videos. Das Ergebnis: An der Fassade des Grenfell Tower war nicht wie vielfach gemeldet Polystyrol, sondern Polyisocyanurat als Dämmstoff verbaut. Die Brandweiterleitung an der Fassade wurde aber an erster Stelle durch die ACP-Wetterschutzverkleidung verursacht. Ob die Konstruktion den zum Zeitpunkt der Erstellung geltenden Bestimmungen entspricht wird derzeit noch untersucht. Eine Brandausbreitung habe sie nicht verhindert. So hätten Hohlräume geschottet werden müssen, um eine Brandausbreitung zu verlangsamen oder zu verhindern. Auch wurden, so die Feuerwehrzeitung, die Komponenten wohl nicht sachgerecht verbaut. Zu Bränden mit ähnlichen Fassadenkonstruktionen kam es bereits in Dubai und Melbourne.

Außerdem kommen die Experten zum Ergebnis, das die Wärmedämmung aus Polyisocyanurat nicht das ausschlaggebende Element war, sondern die ACP-Paneele, die zum Wetterschutz dienen: "Die Masse der Verkleidung war aufgrund der geringen Stärke der PE-Platten zwar gering und die Wärmefreisetzung ging größtenteils in die äußere Umgebung, aufgrund der hohen Abbrandgeschwindigkeit und der damit verbundenen hohen Wärmefreisetzung hat dies jedoch offensichtlich ausgereicht, dass bereits nach kurzer Zeit weitere Entstehungsbrände in den über der Brandwohnung gelegenen Wohnungen auftraten", heißt es in dem Bericht.

Die enorme Geschwindigkeit der Brandweiterleitung erklärt sich auch aus den Zustrom von Verbrennungsluft über die Hinterlüftung der Wetterschutzverkleidung. Es brannte nicht nur das Polyethylen, sondern auch das Aluminium der Wetterschutzplatten. Der Londoner Einsatzleiter verglich das Brandgeschehen mit einem "Magnesiumbrand".

Die Geschwindigkeit des Feuers wird so eingeschätzt: "Der Brand hatte sich daher innerhalb von nur 36 Minuten von einem Entstehungsbrand in der Küche zu einem Brand entwickelt, der über die Fassade alle 19 darüber liegenden Wohnungen unmittelbar bedrohte." Für die letzten 10 Stockwerke nach oben bis zum 22. OG brauchten die Flammen nur sieben Minuten. Danach begann zwischen 1:12 bis 4:03 Uhr die Brandweiterleitung über die Wetterschutzplatten um das Gebäude herum. Die Wetterschutzverkleidung brannte völlig ab, während die Wanddämmung in großen Teilen erhalten blieb.

Gleichwohl entstand in den Tagen nach dem Brand das Gerücht, hier habe der Dämmstoff Polystyrol gebrannt, was sehr schnell zu einer Kampagne gegen Polystyrol an deutschen Gebäudefassaden ausgebaut wurde. Wissenschaftler hatten das bereits damals als unsachlich und falsch kritisiert, sie werden nun durch die Londoner Untersuchung bestätigt.

Vor gut einem Jahr hat das 24-geschossige Grenfell-Hochhaus in London, ein Sozialwohnungsbau,  gebrannt. Der Brand breitete sich schnell über die Fassade aus. 71 Menschen kamen bei der Brandkatastrophe ums Leben. Hessisches Energieinstitut / pgl

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Erste Weiterbildung Klimaverwalter ist abgeschlossen

17. Oktober 2018 - 7:20

"Die Erfahrungen des Lehrgangs verdeutlichen, dass Klima- und Gebäudeschutz im Wohnimmobilienbestand ohne qualifizierte Wohnimmobilienverwalter nicht gelingen kann. Sie sind als Multiplikatoren an den Schnittstellen zwischen Eigentümern, Mietern, Dienstleistern, Architekten und Energieberatern unverzichtbar, um Energieeffizienzmaßnahmen in Wohnungseigentümergemeinschaften zu ermöglichen", verdeutlicht der Präsident des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter DDIV Wolfgang D. Heckeler die Relevanz des Weiterbildungsformats.

Der modular aufgebaute Zertifikatslehrgang "Geprüfte/r Klimaverwalter/in (DDIV/EBZ)" ist vom Bundesumweltministerium gefördert. Basierend auf den verschiedenen Phasen des Sanierungsprozesses vermittelt er in Präsenzblöcken, Webinaren und Selbstlernphasen bau- und anlagetechnisches sowie rechtliches Fachwissen ebenso wie Kenntnisse zur Finanzierung und Förderung, um Sanierungsprozesse kompetent begleiten und koordinieren zu können. Zudem werden Schlüsselkompetenzen gefördert, zum Beispiel für das Projekt- und Konfliktmanagement.

"Ein ganzheitliches treuhänderisches Gebäudemanagement betrifft den Gebäudeschutz auch unter dem Aspekt der Energieeffizienz. Die im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative vom BMU geförderte Lehrgangsentwicklung wird dieser Anforderung gerecht. Wir haben ein Weiterbildungsangebot geschaffen, das eine wichtige Lücke schließt und Kompetenzen fördert, die insbesondere für Verwalter ohne technische Abteilungen unverzichtbar sind", erläutert Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des Europäischen Bildungszentrums der Wohnungswirtschaft und Immobilienwirtschaft EBZ.

Die Abschlussprüfung der zwölfmonatigen, berufsbegleitenden Weiterbildung setzte sich für die einzelnen Teilnehmer aus einem Fachgespräch sowie der Präsentation der jeweiligen Projektarbeiten zusammen. Diese nahmen jeweils konkreten Bezug auf berufstypische Situationen aus der eigenen Verwalterpraxis. Der Pilotlehrgang wird derzeit evaluiert. Quelle: DDIV / pgl

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Eisspeicher gibt es nicht von der Stange

16. Oktober 2018 - 8:03

Knapp 500 Mieter in Hamburg-Wilstorf ernten seit einigen Jahren die Früchte einer mutigen Entscheidung des Eisenbahnbauverein Harburg e.G (EBV). Als eines der ersten Wohnungsbauunternehmen überhaupt entschied sich die EBV 2014 für den Einsatz eines Eisspeichers. Investitionskosten: rund acht Millionen Euro.

Zuvor wurden in den Wohnungen, die aus den 1950er Jahren stammen, alle bisherigen Elektrospeicheröfen aus- und dafür Gas-Zentralheizungen eingebaut. Der Betrieb der Gasbrenner ist jedoch nur für Übergangszeiten vorgesehen. Die größte Wärmelast trägt der 1.500 Kubikmeter große Eisspeicher.

"Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis", resümiert EBV-Vorstand Joachim Bode das Projekt in Hamburg-Wilstorf. "Die Mieter erhielten im ersten Jahr drei- bis vierstellige Beträge an Heizkostenvorauszahlungen zurück. Je nach persönlichem Bedarf an Heizungswärme und Warmwasser zahlen unsere Mieter nun entsprechend ihrer Wohnungsgröße zwischen 3,97 und 7,87 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Damit ist das Ziel erreicht, die Kosten für Heizung und Warmwasser um durchschnittlich 50 Prozent zu senken."

Genehmigungsfrei, energie- und kosteneffizient

Eisspeicher sind große, ungedämmte Betonbehälter, die mit normalem Leitungswasser gefüllt und unter der Erde platziert werden. Sie nutzen die Energie, die frei wird, wenn Wasser gefriert und wieder auftaut und funktionieren als saisonale Speicher, also im jahreszeitlichen Wechsel von Wärmeentzug im Winter und Wärmezufuhr im Sommer. "Sie speichern Energie auf einem Temperaturniveau, bei dem es nicht zu den üblichen Transmissionswärmeverlusten durch die Behälterwand kommt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Wärmepumpensystem sind sie genehmigungsfrei, in der Regel günstiger als Sondenbohrungen und lassen sich auch in Wasserschutzgebieten realisieren", beschreibt Bernd Schwarzfeld vom Ingenieurbüro BZE Ökoplan, der an dem Projekt in Hamburg beteiligt war und seither die meisten in Deutschland umgesetzten Eisspeicher-Einbauten betreut hat.

"Gerade wenn eine Wärmepumpen Heizung im Bestand nachgerüstet werden soll, sind Eisspeicher eine energie- und kosteneffiziente Lösung", so der Ingenieur. Bei einer Gebäudeheizung wirken in der Regel der Speicher, eine Wärmepumpe sowie Solarkollektoren oder -absorbern zusammen, die Wärme vom umgebenden Erdreich oder aus Abwärme von Gebäuden und Anlagen gewinnen und dem Speicher zuführen. "Die Wahl der spezifischen Anlagenkomponenten hängt entscheidend vom jeweiligen Energieversorgungskonzept ab", sagt Schwarzfeld.

Während der Heizperiode entzieht eine Wärmepumpe dem Eisspeicher dem Wasser so viel Energie, dass es auf 0 Grad abkühlt und zu vereisen beginnt. Die besonders hohe Effizienz und hohen Wärmespeicherkapazität des Eisspeichers rührt von der spezifischen Kristallisationsenergie des Wassers her: wenn Eis schmilzt werden dabei 335 Kilojoule je Liter Wasser frei. Das entspricht der Energiemenge, die benötigt wird, um Wasser von 0 auf 80 °C zu erwärmen. Im Sommer taut das Eis auf und kann als praktisch kostenlose Kältequelle zur Gebäudeklimatisierung oder für anderweitige Kühlung genutzt werden.

Abkoppelung von Preissteigerung

Eisspeicherheizung, Solarthermie und Wärmepumpe: Mit dieser Kombination hält die WIRO Wohnen Wohnungsgesellschaft mbH in ihrer 2015 neu gebauten Wohnanlage in Rostock mit 39 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit die "zweite Miete" gering. Dafür wurde im Außenbereich der Häuser ein Betonspeicher in der Erde versenkt. "Unser Ziel war eine weitgehende Abkopplung von Energiepreissteigerungen", beschreibt Dagmar Horning die Beweggründe.

Die Erzeugung der Heizenergie ist im Rostocker Projekt mit diesem System völlig unabhängig von fossilen Brennstoffen. "Auf aufwendige Maßnahmen zur Dämmung und Energieeinsparung über die EnEV-Mindestanforderungen hinaus konnten wird verzichten - ein entscheidender Beitrag zu geringeren Baukosten und wettbewerbsfähigen Mieten", sagt Horning.

Die Mieter der beiden Neubauten zahlen nach Angaben der WIRO für die warmen Betriebskosten 44 Cent pro Quadratmeter und Monat. In einem vergleichbaren Haus mit einem Fernwärmeanschluss wäre es mindestens ein Drittel mehr gewesen, so die WIRO. Aktuell plant die Wohnungsbaugesellschaft die Bebauung des Rostocker Werftdreiecks. "Hier denken wir auf jeden Fall über den erneuten Ansatz eines Eisspeichers nach", sagt Horning.

Akzeptanzprobleme bei den Mietern

Anders in Köln. Dort wurde die Eispeichertechnik für ein Mehrgenerationen-Quartier der Vivawest Wohnen GmbH mit 112 Wohnungen eingesetzt. "Obwohl die Eisspeichertechnik durchaus einen vielversprechenden Lösungsansatz zur Vermeidung von CO2-Emissionen darstellt, hat unser Monitoring gezeigt, dass Investition, Aufwand und Nutzen des Technikeinsatzes gegenwärtig noch nicht in einem wirtschaftlich ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen", sagt Unternehmenssprecher Uwe Schäfer.

Ein Teil des Konzepts sind so genannte Teil-Inklusivmieten. Das bedeutet, dass die Nebenkosten der Wärmeversorgung bereits in die Miete integriert werden, um mögliche steigende Gas oder Ölpreise abzufedern. "Traditionelle Umgangsweisen mit der Haustechnik, insbesondere Erwartungshaltungen an die Wärmeversorgung, sind derart etabliert, dass kaum Verständnis für die Funktionsweise von Anlagen mit Niedertemperaturtechnik zu erlangen ist. Die meisten Menschen sind es einfach gewohnt, je nach individuellem Empfinden spontan die Heizung hochzudrehen nachdem die Fenster geöffnet waren, unabhängig davon, dass dies mit Mehrkosten für sie verbunden ist, " sagt Schäfer.

Vermeintliche Einschränkungen wie beispielsweise der Umstand, dass der Heizkörper nicht "heiß" wird, würden nach wie vor als Verlust an Wohnkomfort oder gar als Mangel wahrgenommen, so Schäfer.

Auch in Frankfurt äußert man sich kritisch. "Wir werden erstmal kein zweites Projekt dieser Art aufsetzen", sagt Jens Duffner, Leiter Kommunikation bei Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Das EnergiePlus-Haus mit dem Eisspeicher auf dem Frankfurter Riedberg sei ausdrücklich als Pilotprojekt geplant gewesen, um Erfahrungen zu sammeln wie sich ein technisch komplexes Gebilde und der Verbund unterschiedlicher Technologien wie Eisspeicher, Wärmepumpe und Energie-Speichermedien im normalen Vermietungsgeschäft handhaben lässt. "Dass die Erwartungen der Ingenieure sich im Alltagsbetrieb nicht eins zu eins erfüllt haben, hat uns nicht überrascht", sagt Duffner. Künftig wolle man auf bewährte und preiswertere Standardlösungen setzen.

Förderprogramme nicht auf Eisspeicher ausgelegt

Dass der Eisspeicher noch weit davon entfernt ist, eine Standardlösung zu sein, musste auch Sebastian Krug, Klimaschutzmanager des Kreises Rendsburg-Eckernförde, erfahren. In Rendsburg wird künftig der denkmalgeschützte Uhrenblock aus dem 19. Jahrhundert, ein ehemaligen Kasernengebäude, welches heute Privatwohnungen, Gewerbeeinheiten und ein kleines Schwimmbad beherbergt sowie des Kreishaus, Baujahr 1979, mit einem Eisspeicher beheizt.

Obwohl die Planungen für den Eisspeicher bereits 2014 anliefen, wird das neue Heizsystem erst diesen Winter in Betrieb genommen. Doch nicht die Technologie sei das Problem gewesen, sondern fehlende Fördermittel. "Praktisch alle bestehenden Nahwärme- oder Speicherförderungen sind einfach nicht auf kalte Systeme auslegt", sagt Krug. Das Vorzeigevorhaben konnte schlussendlich durch eine Förderzusage in Höhe von 200.000 Euro durch das Land Schleswig-Holstein realisiert werden.

"Bei dem Projekt steht ganz klar die CO2-Einsparung im Vordergrund. Das heißt, die Geldgeber waren bereit, Mehrkosten im Vergleich zu einem konventionellen Heizsystem von vier Prozent zu tragen", sagt Krug. "Dafür haben wir nun aber Planungssicherheit in Hinblick auf CO2-Steuern und steigende Heizkosten, die auf uns viel weniger Auswirkungen haben werden, als wenn wir uns für einen Gaskessel entschieden hätten", sagt Krug.

Die Besonderheit bei diesem Vorhaben: Auf Sanierungsmaßnahmen wurde weitgehend verzichtet, es wurde lediglich ein veraltetes BHKW abgebaut und alle Heizkörper ausgetauscht. Der Wärmebedarf liegt pro Gebäude bei rund einer Gigawattstunde.#

Die Stadtwerke versenken aktuell einen 560 Kubikmeter fassenden Speicher auf einer Wiese am Kreishaus. Eine ausgeklügelte Kaskadenschaltung bestehend aus einer Gasabsorptionswärmepumpe und drei Elektrowärmepumpen wird die notwendigen Vorlauftemperaturen für eine angenehme Raumtemperierung erzielen. An den in der Region nur sehr seltenen außergewöhnlich kalten Tagen sorgt ein Gas-Spitzenlastkessel für eine ausreichende Innentemperatur.

Ideal für Sektorkoppelung

Ermutigt von dem ersten Erfolg hat die EBV inzwischen ein weiteres Projekt in Angriff genommen. Am Reeseberg in Hamburg wird die Situation genutzt werden, dass zu bestimmten Zeiten Ökostrom in Norddeutschland im Überfluss vorhanden ist und deswegen Strom an der Börse besonders günstig erhältlich ist. Fällt der Preis dort unter einen bestimmten Wert, wird dieser genutzt, um über Heizstäbe die insgesamt zwei Millionen Liter umfassenden Eisspeichern zu erhitzen.

"Die Anlagen koppeln auf diese Weise die Segmente Strom und Wärme", sagt Bernd Schwarzfeld, der erneut in diesem Projekt involviert ist. Für diesen Beitrag die Stromnetze stabil zu halten, erhält die EBV einen Teil der Umlagen auf den bezogenen Überschussstrom zurückerstattet.

In den Wohnungen am Reeseberg werden die alten Stromspeicheröfen durch normale Heizwasser-Heizkörper ersetzt und eine Frischwasserstation mit elektrischer Nachheizung integriert. Ein Auszug der Mieter während der Maßnahme ist nicht nötig. Bei den insgesamt 19 Gebäuden, die aus den Baujahren 1963 bis 1966s stammen hätte eine klassische Sanierung mit hohen Dämmstärken Kosten von 400 bis 500 Euro pro Quadratmeter verursacht. Durch die Eisspeicherheizung liegen die Ausgaben nach Angaben der EBV inklusive Austausch der alten Elektroöfen in den Wohnungen bei nur rund 120 Euro pro Quadratmeter.

Insgesamt plant die Wohnungsbaugesellschaft für das neue Eisheizungsprojekt acht Millionen Euro zu investieren. Aus der ersten Anlage in Hamburg-Wilstorf haben die Techniker einiges gelernt. Anstatt einem einzigen großen Speicher werden diesmal Projekt vier kleinere verbaut. "Das senkt den Platzbedarf und damit den baulichen und organisatorischen Aufwand, da die Speicher jetzt besser zwischen die Häuserzeilen passen und die Erdarbeiten einfacher werden", sagt Bernd Schwarzfeld. Für die Mieter soll die Nettokaltmiete bei durchschnittlich 5,50 Euro bleiben. Das Klima profitiert von dem neuen Eisspeicher-Projekt des EBV erheblich: der CO2-Ausstoß soll um über die Hälfte gesenkt werden. Von Daniela Becker 

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Verband fordert höhere Sanierungsquote am Dach

16. Oktober 2018 - 7:52

"In der Dachsanierung schlummert ein enormes energetisches, wirtschafts- und beschäftigungspolitisches Potenzial, das wir heute schon nutzen müssen", sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie. "Wer die Klimaschutzziele im Gebäudebereich erreichen will, kommt auch an der Dachsanierung im Bestand nicht vorbei", ist Professor Andreas Holm überzeugt.

Allerdings sei das Ziel der Bundesregierung, bis 2050 einen CO2-neutralen Gebäudebestand zu erreichen, mit der aktuellen Dachsanierungsquote nicht machbar, so Holm. Bei den Ein- und Zweifamilienhäusern, die knapp zwei Drittel der Wohngebäude abdecken, verfügen vier Millionen Dächer nur über den Mindestwärmeschutz oder sind gleich ganz ungedämmt, so die Studie des FIW. Das entspricht circa 600 Millionen Quadratmeter Dachfläche.

Weitere 6,5 Millionen Dächer genügen nur den energetischen Anforderungen der Wärmeschutz-verordnung von 1977 beziehungsweise 1984, was circa einer Milliarde Quadratmeter Dachfläche entspricht. Insgesamt weist jedes zweite Wohngebäude in Deutschland einen unzureichenden Wärmeschutz auf. Vor allem Steildächer müssten saniert werden: Neun von zehn Wohngebäuden in Deutschland haben ein geneigtes Dach, heißt es in der Studie.

Um das Tempo der Dachsanierung zu steigern, fordert der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie eine maßvolle Anhebung der Sanierungsquote auf zwei Prozent. Damit wären bereits vor 2045 die Sanierungspotenziale für Dachkonstruktionen entsprechend des Mindestwärmeschutzes und der Wärmeschutzverordnung von 1977 erschlossen. Außerdem könnten CO2-Emissionen und Primarenergiebedarf um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Status quo eingespart werden. Die dafür notwendigen Mehrkosten von 1,5 Prozent gegenüber den Kosten der derzeitigen Dachsanierungsquote seien vertretbar.

Allerdings reichten die bisherigen Förderinstrumente zur Finanzierung dieser Mehrkosten nicht aus. Bis Ende des Jahres will die Bundesregierung das erste Maßnahmenprogramm zum Klimaschutzplan 2050 vorlegen und damit zunächst die Ziele bis zum Jahr 2030 sicherstellen. "Die Bundesregierung muss die energetische Sanierung von Gebäuden jetzt im Rahmen der Fortschreibung des Klimaschutzplans angehen und die Weichen richtig stellen", so Frederichs. Dazu würden beispielsweise zusätzliche Fördermaßnahmen der bundeseigenen KfW-Bank, steuerliche Anreize, Investitionszuschüsse sowie verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten beitragen.

Wichtig sei auch, so Frederichs, eine bessere Koordinierung der verschiedenen Maßnahmen, um Synergien zu nutzen und die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Als Beispiel führt der Hauptgeschäftsführer die Kombination aus Dachsanierung und Installation einer Aufdach-PV-Anlage an. Quelle: Bundesverband der Ziegelindustrie / pgl

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